Garstige Gestalten ziehen durch Kandersteg

Immer an Weihnachten und am Neujahrstag vertreiben die Pelzmartiga mit Treicheln und Kettengerassel lautstark die Geister des alten Jahres.

An Weihnachten und am Neujahrstag treiben sich jeweils die Pelzmartiga auf den Strassen von Kandersteg herum. Mit Kettengerassel, Treicheln und wildem Geschrei machen sie einen Heidenlärm, erschrecken die Passanten und dringen sogar in Restaurants und Hotels ein.

Es sind Burschen aus dem Dorf, die im neuen Jahr in die Rekrutenschule einrücken müssen. Sie sind verkleidet und maskiert, tragen Pelzmäntel und vertreiben die Geister des alten Jahres. «Jeder Bursche im Dorf will mal beim Pelzmartiga mitmachen», sagt Markus Zürcher, der in den 80er-Jahren als Pelzmarti durchs Dorf gezogen ist. «So wie am Pelzmartiga kann man sich dann nie mehr im Leben benehmen.» Früher habe man in Kandersteg nie Probleme gehabt, genug junge Männer zu finden. Heute müsse man manchmal schauen, dass man die zehn Burschen zusammenbringt, die es für die Pelzmartiga-Truppe braucht, sagt Markus Zürcher.

Der Kandersteger Brauch hat durchaus einen ernsten Hintergrund: Die lauten Gestalten sollen die Geister des alten Jahres vertreiben und vor neuem Unheil schützen. Nicht nur von Bär oder Wolf war man früher bedroht, sondern auch von anderen unberechenbaren Gefahren wie Sturm, Lawinen, Steinschlag, Wassernot, Hunger, Armut und Krieg.