Zum Inhalt springen

Header

Audio
Drei Hüttenwarte erklären die Situation vor Ort
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 20.04.2020.
abspielen. Laufzeit 05:31 Minuten.
Inhalt

Geschlossen bei tollem Wetter Corona verhindert «bombastische Saison» in SAC-Hütten

Seit Mitte März sind alle Hütten des Schweizer Alpenclubs zu. Das wird für die Hüttenwarte und den Verband Folgen haben.

Drei Tage nachdem die Trifthütte des SAC eröffnet wurde, musste sie bereits wieder schliessen. Die Hüttenwartin, Nicole Müller, ihr Partner und die zwei kleinen Kinder sind jetzt trotzdem dort: «Auf die Schnelle fanden wir keinen anderen Job. Jetzt haben wir halt die Hütte für uns alleine.» Das sei einerseits schön, andererseits auch komisch, wenn man keine Gäste empfangen dürfe.

Nicole Müller brätelt mit ihren Söhnen vor der Trifthütte.
Legende: Nicole Müller brätelt nun ohne Gäste, dafür mit ihren Söhnen vor der Trifthütte. zvg/Nicole Müller

Statt Gäste zu bewirtschaften, brät die Familie nun selbst Cervelats über dem Feuer. So romantisch wie es klingt, ist es aber nicht. Der April wäre für viele SAC-Hütten normalerweise der umsatzstärkste Monat des Jahres. Und besonders die Hütten im Hochgebirge sind dringend auf dieses Geld angewiesen.

Alle SAC-Hütten sind zu

Mitte März hat der SAC-Zentralverband allen Sektionen empfohlen, ihre Hütten zu schliessen oder gar nicht zu öffnen. Dem sind bislang auch alle Sektionen und ihre 153 SAC-Hütten freiwillig gefolgt.

Die SAC-Hütten bleiben auch weiterhin geschlossen. Der SAC-Zentralverband erarbeitet in den nächsten Wochen zusammen mit Sektionsvertretern und dem Verband Schweizer Hütten ein Schutzkonzept für den Betrieb der Berghütten und wird es bei den Behörden einreichen. Der Verband spekuliert auf eine Wiedereröffnung anfangs Juni.

Wer eine Hütte an dieser Lage im Hochgebirge besitzt, gibt bereits vor der Saisoneröffnung viel Geld aus. Die Hütte nach dem Winter zu eröffnen ist aufwändig, erklärt Dario Andenmatten von der Britannia-Hütte, die oberhalb von Saas-Fee liegt. «Mit Helikoptern und Pistenfahrzeug sichern wir die Traverse. Diesen Aufwand hätten wir uns sparen können.»

Die SAC-Hütte Britiannia.
Legende: Die Britannia-Hütte ist eine der meistbesuchten SAC-Hütten der Alpen und ist Ausgangspunkt der Haute-Route. zvg/Dario Andenmatten

Auch die vielen Esswaren wurden per Helikopter zu den Hütten gebracht. In der Monte-Rosa-Hütte lagerten diese Nahrungsmittel jetzt grösstenteils im Gefrierfach, sagt Hüttenwart Richi Lehner. «Frische Waren mussten wir wegschmeissen.»

Das Wetter wäre perfekt gewesen

Zwar bekommen die Hüttenwarte für ihre Angestellten eine Kurzarbeitsentschädigung und für sich selbst Erwerbsersatz. Aber das ist weit davon entfernt, was sonst in die Kassen käme – besonders bei solchem Wetter, wie es in den vergangenen Tagen war. «Es hätte eine bombastische Saison gegeben», so Dario Andenmatten. Der Schaden sei enorm.

Betroffen seien insgesamt 60 Hütten, erklärt der Geschäftsführer des Schweizer Alpenclubs, Daniel Marbacher. Der Gesamtausfall der Monate März bis Mai betrage zirka 7.5 Millionen Franken. Zusätzlich fehlten rund etwa 500'000 Franken für den Hüttenfonds: Damit würden Hütten renoviert oder neu gebaut.

Auch der Verband selbst ist betroffen

Der Schweizer Alpenclub hat zwei Haupteinnahmequellen: Mitgliederbeiträge und Einnahmen aus einem Kursangebot. Die rund 150'000 Mitglieder sind auch trotz Corona noch da, doch die Kurse können aktuell nicht angeboten werden. Der Verband kann also seinen Hüttenwarten nicht grosszügig unter die Arme greifen. «Wir prüfen momentan einen Spendenaufruf für einen Hilfsfonds», sagt deshalb der Geschäftsführer.

Die Monte Rosa Hütte des SAC.
Legende: Die neue Monte-Rosa-Hütte «Bergkristall» liegt 2883 Meter über Meer und wurde 2009 eröffnet. Keystone

Abzuwarten bleibe noch, wie die Hüttenwarte von Bundessubventionen profitieren können. Offen ist auch, wann und ob und wie die Hütten wieder aufgehen können.

In der Monte-Rosa-Hütte hofft man auf viele Schweizer Gäste im Sommer. Aber ein Loch in der Kasse wird so oder so bleiben.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr ;

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Wenn es denn nur die SAC Hütten wären! Der ganze Sport ist lam gelegt. Der Muskelabbau im Volk ist wohl einer der grössten unbeachteten Verluste. Und für was? “Für die Volksgesundheit”. Das Gegenteil ist der Fall! Und das schlimmste, wir werden noch anfälliger!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Moser  (AM)
    Das zeigt uns vor allem eines:

    SAC-Hütten sind nicht mehr eine "sichere Unterkunft" für Bergsteiger, sondern ein gewinnorientiertes Tourismusunternehmen.

    Deshalb meide ich SAC-Hütten schon seit langem. Will ich auf einer Bergtour übernachten, nehme ich Schlafsack und Zelt mit - ein Erlebnis das keine SAC-Hütte bieten kann!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Individualismus und Egoismus liegt extrem nahe beisammen und zerstört Kultur.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Das einzige Mal im Leben wo ich mir eine Influenza eingefangen habe war in einem April auf einer SAC Hütte. Man sollte endlich von den Massenlagern ab kommen und die Zimmer verkleinern für 2/4 Leute pro Zimmer. Es kommen dann halt weniger Leute, aber das wäre eh besser auf dem Berg.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen