Zum Inhalt springen

Header

Audio
Das war die Debatte im Walliser Kantonsparlament zum Quecksilber-Dossier
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 12.12.2019.
abspielen. Laufzeit 06:56 Minuten.
Inhalt

Gift im Walliser Boden Die Behörden wussten es bereits vor 40 Jahren – und sagten nichts

Ein Bericht kritisiert die Dienststelle für Umwelt harsch. Am Donnerstag debattiert nun das Kantonsparlament darüber.

Die Böden des Kantons Wallis sind verschmutzt – zum Beispiel rund um Visp. Das Quecksilber stammt von der Lonza, die zwischen 1930 und 1970 den Grossgrundkanal mit industriellen Abwässern belastet hatte. Die Sanierung der Böden läuft derzeit. Bis jetzt wurde rund die Hälfte aller verschmutzten Parzellen gesäubert.

Die Verschmutzung war Mitte 2010 bei Vorarbeiten für den Bau der Walliser Autobahn A9 entdeckt worden. Davon ging jedenfalls die Öffentlichkeit aus. Die Behörden des Kantons sollen bereits vor 40 Jahren von der Verschmutzung gewusst haben.

Der Vorwurf an die Behörden

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

2018 wurde bekannt, dass im Lonza-Werk in Visp in den Jahren 1920 bis 1950 bis zu 250 Personen durch Quecksilber vergiftet worden waren. Und dass Quecksilber auch den Grossgrundkanal mit industriellen Abwässern belastet hatte.

Die Regierung und der Feinchemikalienhersteller Lonza hätten früh über das Ausmass der Quecksilberverschmutzung Bescheid gewusst, über das wahre Ausmass aber bewusst geschwiegen.

Wegen diesem Vorwurf an die Behörden forderte das Walliser Kantonsparlament 2018 einen Bericht der Geschäftsprüfungskommission GPK. Seit einigen Wochen liegt dieser Bericht nun vor.

Das steht im GPK-Bericht

Die Behörden hatten früher von den Verschmutzungen gewusst, als sie zugegeben hatten. Zu diesem Schluss kommt der Bericht der GPK. Das sei zwar nicht schmeichelhaft, aber teilweise zu erklären durch das damals fehlende Umweltbewusstsein.

Zudem gebe es weitere Ungereimtheiten: Einige Papiere bei der Dienststelle für Umwelt seien verschwunden. Wer dafür verantwortlich ist und weshalb die Papiere verschwunden sind, ist offen.

Das Lonza-Werk in Visp.
Legende: Die Lonza ist heute mit 2500 Stellen mit Abstand der grösste Arbeitgeber der Region. Keystone

Die GPK empfiehlt nun, die Dienststelle für Umwelt zu reorganisieren. Die technischen Mitarbeitenden sollen juristisch besser unterstützt werden, weil sich im Zusammenhang mit den Altlasten viele Rechtsfragen stellten.

Und nun?

Das Parlament debattierte am Donnerstag über den Bericht der GPK. Es konnte den Bericht nur zur Kenntnis nehmen. Forderungen konnte das Parlament keine beschliessen.

Der Bericht werfe ein schlechtes Licht auf CVP-Staatsrat Jacques Melly. Er ist das zuständige Regierungsmitglied. SP und SVP fordern, dass Melly das Umweltamt entzogen wird. Er reagiert klar und deutlich.

Ich gebe mein Amt nicht ab.
Autor: Jacques MellyCVP-Staatsrat

Er könne mit Druck umgehen. Es gebe für ihn keinen Grund, das Umweltdossier abzugeben – und schon gar nicht, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Video
Quecksilberaffäre: GPK-Bericht veröffentlicht
Aus Schweiz aktuell vom 12.12.2019.
abspielen
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Für Geld tun wir alles, so kommt es mir vor. Eine sehr traurige Geschichte der Walliser Regierung und der der Gemeinde Visp. Die Firmenbosse der Firma Lonza sind keinen Deut besser. Nach mir die Sintflut, die Hauptsache das Geld stinkt nicht. Sie alle sollten für die Spätfolgen privat bezahlen müssen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Wir lernen: fehlendes Umweltbewusstsein kann auf lange Sicht sehr teuer werden.
    Genau so wird es beim Klimawandel überigens auch ablaufen. Nur viel teurer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Genau so wird es überigens mit der Klimaerwärmung auch ablaufen. Heute behaupten SVP und FDP der Kampf gegen die CO2 Emission sei zu teuer. In 20 Jahren werden die durch Untätigkeit verursachten Kosten ein vielfaches sein. Aber nicht durch die Verursacher bezahlt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen