Kunstmuseum Bern Gurlitt-Bilder von Staub, Schimmel und Leim befreien

Das Kunstmuseum Bern öffnet die Ateliers und zeigt, wie aufwändig die Restauration der Gurlitt-Bilder ist.

Für die umfangreichen Restaurierungsarbeiten hat das Kunstmuseum im Untergeschoss Platz leergeräumt und eine temporäre Werkstatt eingerichtet. Im Rahmen von Führungen können Museumsbesucher ab kommendem Sonntag den Restauratorinnen und Restauratoren bei der Arbeit über die Schulter blicken.

Klinik-Flair im Kunstmuseum

Mit all den Pinseln, Pinzetten und Pipetten, den hellen Leuchten, Mikroskopen und Bildschirmen erinnert der Raum an eine Klinik. Doch auf den weiss bespannten Tischen liegen nicht menschliche Patienten, sondern Bilder.

Die Wiederherstellung der unter anderem durch Staub, Schimmel, Kleberückstände und Knickstellen beschädigten Werke erfordert höchste Sicherheitsmassnahmen. Ein Teil der Werkstatt ist mit Plastikfolien abgeklebt. «Das Zelt hat Quarantäne-Charakter», sagt Nathalie Bäschlin, Leiterin der Konservierung und Restaurierung. In den Ateliers wird mit feinen Düsen oder Lösungsmitteln Schimmel beseitigt. Das Museum will verhindern, dass Sporen in die vorhandene Sammlung gelangen.

Historisch belastete Sammlung

Die Werke gehörten dem Deutschen Kunstsammler Cornelius Gurlitt, der sie jahrelang verschwiegen in seiner Wohnung in München und in einem heruntergekommenen Haus in Salzburg hortete. Zusammengetragen hatte sie Gurlitts Vater, ein von den Nationalsozialisten beauftragter Kunsthändler.

Vor seinem Tod im Jahr 2014 vermachte Sohn Cornelius die historisch belastete Sammlung überraschend dem Kunstmuseum Bern. Darauf folgte ein Streit um die Rechtmässigkeit des Erbes.

150 Werke müssen restauriert werden

Das Kunstmuseum hat zunächst 200 Werke in der Werkstatt, etwa 150 davon müssen instand gestellt werden, bevor sie im November in einer ersten Ausstellung zu sehen sind. Darunter sind Arbeiten von Macke, Dix, Nolde, Kirchner und Liebermann, überwiegend auf Papier. Die Werke waren Anfang Juli 2017 nach Bern geliefert worden.

Thema der Berner Ausstellung im kommenden November sind ausschliesslich Werke, die von den Nazis als «entartete Kunst» gebrandmarkt wurden. Zeitgleich zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn weitere 250 Werke aus der teilweise mit NS-Raubkunstverdacht behafteten Sammlung.