Hans Eichenbergers lebenslange Passion für Möbel und Räume

Er musste fast 90 Jahre alt werden, um den Schweizer Grand Prix Design zu erhalten. Damit würdigt die Eidgenossenschaft Hans Eichenbergers wegweisende Rolle in der Schweizer Geschichte des Möbeldesigns und der Innenarchitektur. Er lebt seine Passion bis heute täglich in seinem Atelier.

Im Atelier von Hans Eichenberger in der Halensiedlung in Herrenschwanden stehen zahlreiche Holzgestelle. Wenn er dem Besucher etwas zeigen will, geht der 90-Jährige zielstrebig an den richtigen Ort und hat das Gesuchte sofort zur Hand. Dennoch wollen die Skizzen, Entwürfe und Pläne seines Schaffens gesichtet und geordnet sein. Als er einen Besucher des Landesmuseums habe wissen lassen, er möchte den ganzen Bettel am liebsten wegschmeissen, habe dieser vehement interveniert. Das gehe nicht: «Sonst muss das alles ohne Sie wieder gefunden werden.» Diese Arbeit am eigenen Nachlass lässt den Designer und Innenarchitekten Bekannten gegenüber auch mal ächzen und stöhnen - bis diese konterten, er könne stolz sein und habe Glück, bei ihnen sei mit der Pensionierung einfach ein Strich gezogen worden.

«20 Jahre früher wäre es auch möglich gewesen»

Für sein Lebenswerk als Möbel- und Innenarchitekt erhält Hans Eichenberger vom Bundesamt für Kultur jetzt, mit fast 90, den Schweizer Grand Prix Design. Der Preis freut ihn: «Ich bin dankbar und finde es sehr schön», sagt er, aber auch: «20 Jahre früher wäre es auch möglich gewesen», die Frau habe halt jetzt nichts mehr vom Preis. Seine Frau Maria ist vor bald zwei Jahren verstorben. Als Geschenk für sie hat er Mitte der 1950er Jahre die verstellbare Stehleuchte entworfen, die auch heute noch eines der berühmtesten Werke seines Schaffens ist. Andere sind der Saffa-Stuhl (entworfen für die Schweizer Ausstellung für Frauenarbeit), der Stahlrohr-Hochlehnersessel oder der Rundschrank in Form einer Litfasssäule.

«Ich habe immer nach Gespür gearbeitet.»

Ebenso wichtig war Eichenberger Schaffen als Innenarchitekt, etwa in Zusammenarbeit mit dem Berner Architekturbüro Atelier 5 (das auch die Halensiedlung gebaut hat, in der er seit 1960 arbeitet und wohnt): «Ich war ja an keiner Hochschule und habe nach Gespür gearbeitet.» Das sei ihnen sehr entgegen gekommen und habe zu einer «grossartigen Zusammenarbeit geführt». Zeuge davon ist etwa das Café im Berner Kunstmuseum, das sich seit 1983 praktisch unverändert und zeitlos präsentiert.

Hans Eichenberger gilt als Meister des Vereinfachens und Weglassens, einer, der stets nach der listigsten Lösung gesucht habe und intelligente Technik mit hoher Ästhetik verbunden habe. Wenn man ihn heute fragt, was er mit seinen Möbeln gewollt habe, sagt er ohne Zögern: «Dass sie verkauft werden, das ist doch klar.» Er hat sein Ziel erreicht. Seine Klassiker werden auch heute noch hergestellt und gekauft.