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Schwemmholzteppich am Ufer
Legende: Gewaltiger Schwemmholzteppich, eingefangen mit Sperr-Schläuchen, 2005 am Thunersee. Keystone
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Hochwasser-Prävention Schwemmholz ist eine Zeitbombe – aber keiner entschärft sie

Das künftige Schwemmholz liegt tonnenweise in den Bachläufen der Berge. Nur hat niemand Geld, es herauszuräumen.

Jedes Schwemmholz hat mal als Baum in einem Wald angefangen. Und jeder Wald hat einen Besitzer. Aber im Kanton Bern sind die Eigentümer nicht verantwortlich, dass die Bachläufe und Gräben so gesäubert werden, dass gar kein Holz in die Flüsse und Seen gespült werden.

«Der Eigentümer des Flusses, des Sees oder der Schwellen ist für die Sicherheit verantwortlich. Man zwingt auch keinen Alphirten, eine Lawine zu entschärfen», sagt Stefan Flückiger. Er ist Geschäftsführer des Verbandes der bernischen Waldbesitzer und kennt das Problem: «In den Gebieten, die nicht dank eines Programmes des Kantons geräumt wurden, ist das eine Zeitbombe.»

Mann vor Holzbeige.
Legende: Künftiges Schwemmholz ist wie eine Zeitbombe: Stefan Flückiger, Geschäftsführer der bernischen Waldbesitzer. Christian Strübin/SRF

Und so müssen Seepolizisten, Schiffsbesatzungen oder Soldaten jedes Jahr Tausende von Tonnen verkeilter Stämme bergen. Denn Schwemmholz bedroht Brücken, Schleusen und Uferverbauungen, weiss Jacques Ganguin, Leiter des bernischen Amtes für Wasser und Abwasser. «Was vom Oberland her kommt, holen wir aus dem Thuner- und Brienzersee. Was die Zulg bringt, geht direkt nach Bern».

Schwemmholz in der Berner Matte.
Legende: Teuer und gefährlich und Schwerarbeit: Schwemmholz in der Matte in Bern 2005. Keystone

Ein lästiges Problem, sagt er. Kaum vorauszusagen und nicht zu budgetieren. Auch nicht nach den Winterstürmen im Januar 2018, die viele Bäume umgelegt haben. «Eigentlich kann man gar nichts machen, von einzelnen Aufräum-Aktionen abgesehen», so Jacques Ganguin.

Schwemmholz im Stauwehr.
Legende: Eine riesige Belastung für Bauwerke: Schwemmholz im Stauwehr Wimmis 2011. Keystone

Könnte es eine Lösung sein, das Schwemmholz zumindest als Energieholz zu verkaufen? Die «Holz-Initiative BE», bei der sich die gesamte Wald- und Holzbranche verbündet hat, um Holz besser zu vermarkten, will genau dies. Aber Nationalrat Erich von Siebenthal aus Gstaad winkt ab. «Es gibt viel zu wenig Holzenergie-Heizanlagen. Niemand hat auf das Schwemmholz gewartet.» Da müsste die öffentliche Hand vorangehen.

Viel Wasser im Fluss mit Schwemmholz.
Legende: Tosendes Hochwasser und Schwemmholz: Die Zulg im Juni 2015. Das Bafu untersucht hier, wie Schwemmholz funktioniert. Christian Strübin/SRF

Die Gefahren-Spezialisten des Bundesamtes für Umwelt Bafu wollen allerdings wissen, wie sich Schwemmholz von seinen Ursprüngen bis zum See oder Fluss verhält, sagt Sektionschef Hochwasserschutz, Carlo Scapozza. «So können wir auch untersuchen, wie Schwemmholz-Rechen und Auffang-Vorrichtungen wirken könnten». Deshalb werden Hochwasser analysiert. An der Zulg in Steffisburg wurde für Simulationsversuche das Flussbett als Modell nachgebaut.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Hugentobler  (hevrins)
    Bundessache, oder? Folge des Klimawandels. Ein "Notbatzen" beim Bund sollte auch für derartige Fälle zur Verfügung gestellt werden.
  • Kommentar von Adrian Müller  (Andymüller)
    Als Pellets verarbeiten und verkaufen so sind die Kosten gedeckt.
    1. Antwort von Helmut Meier  (Helmi)
      Herr Müller: es macht keinen Sinn, Holz mit viel Energie zu verkleinern, damit Pellets hergestellt werden können. Pellets sind gut, wenn mann sie aus Sägemehl oder Hobelspähne herstellt, die in der normalen Verarbeitung von Holz anfallen. Sinnvoller ist Stückholz oder ev. Holzschnitzel, welche nicht ganz so viel Energie verbrauchen.
  • Kommentar von Peter Kunz  (calanda)
    Ist doch alles kein Problem. Hats kein Geld zum Entschärfen der Zeitbombe, dann explodiert sie halt einmal .Das Auf und Wegräumen ist in solchen Fällen ja immer gratis!