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Hat viele Facetten oder Gegensätze: Jürg Opprecht ist Hotelier, Unternehmer, Entwicklungshelfer, Künstler, Christ. Ein Gespräch nicht nur über den Erfolg des Lenkerhofs.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 12.07.2020.
abspielen. Laufzeit 16:30 Minuten.
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Hotelbesitzer Jürg Opprecht «Der Juni war der erfolgreichste der Geschichte des Lenkerhofs»

Trotz Coronakrise hat der Lenkerhof einen Rekordmonat hinter sich. Es ist nicht der einzige Erfolg von Jürg Opprecht.

Wegen der Corona-Pandemie sind im Kanton Bern die Hotel-Logiernächte zwischen November und April im Schnitt um einen Viertel gesunken. Doch nicht allen Hotels hat die Pandemie gleichermassen zugesetzt. Das 5-Sterne-Hotel Lenkerhof im Berner Oberland habe gute Monate hinter sich – der Juni sei sogar der beste in der Geschichte gewesen, erzählt Hotelbesitzer Jürg Opprecht.

Jürg Opprecht

Jürg Opprecht

Unternehmer, Hotelier, Entwicklungshelfer, Künstler

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Jürg Opprecht kam 1950 als Sohn eines Maschinenbauunternehmers zur Welt. Er absolvierte eine Ausbildung zum Elektroingenieur und arbeitete im Familienunternehmen. Nach dem Tod des Vaters aber verkaufte er die Firma und erfüllte sich einen Bubentraum – er kaufte das ehemalige Kurhotel Lenkerhof und machte daraus eines der beliebtesten 5-Sternehotels der Schweiz. Zudem gründete er die Stiftung bpn (Business Professional Network), eine Stiftung die hilft, kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungsländern aufzubauen.

Bereits mit 13 Jahren hat Jürg Opprecht angefangen zu malen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Zweimal ist er an Krebs erkrankt und leidet an der Parkinson-Krankheit.

SRF News: Wieso läuft der Lenkerhof trotz Coronakrise so gut?

Jürg Opprecht: Uns kommt sicher entgegen, dass wir generell viele Schweizer Gäste haben, die nun nicht ins Ausland wollen und sich einige Tage im Lenkerhof leisten. Zudem sind wir auf dem Land. Da denken die Leute vielleicht, man sei weit weg von Corona.

Eigentlich sind Sie in der Industrie gross geworden, haben die Maschinenfabrik Ihres Vaters übernommen. Trotzdem haben Sie später ein Luxushotel gekauft. Das sei Ihr Bubentraum gewesen. Wie kam es, dass Sie in Ihrer Kindheit in den 50er-Jahren davon träumten, ein Hotel zu besitzen?

Das mag eigenartig erscheinen, aber ich war immer inspiriert von meiner Mutter, die privat immer eine sehr gute Gastgeberin war. Zudem habe ich auf meinen vielen Auslandsreisen häufig in Hotels übernachtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass 90 Prozent der Hotelbesitzer jammern, das Geschäft laufe schlecht und nur rund 10 Prozent, es sei profitabel. Ich wollte herausfinden, was diese Minderheit besser macht.

Was machen diese Hotels besser?

Sie verbinden Top-Qualität mit einem lässigen Auftritt.

Als Hotelier leben Sie den Einfluss Ihrer Mutter aus – Ihr Vater hatte aber den grösseren Einfluss auf Ihr Berufsleben. Er hat Ihnen den Weg in die Industrie vorgezeichnet. Dabei haben Sie einmal gesagt, Sie hätten das Gefühl, zum Erfolg verdammt zu sein?

Es war so, dass der Junior immer am Senior gemessen wurde. Viele dachten, es laufe einfach so weiter. Positiv war aber, dass ich ein zweites Standbein des Unternehmens aufbauen konnte und das hat mir gefallen.

Sie haben später das Familienunternehmen verkauft und Millionen damit verdient. Damit haben Sie das Hilfswerk BNP gegründet, das Arbeitsplätze in Entwicklungs- und Schwellenländern schafft. Wieso haben Sie sich nicht einfach zurückgelehnt?

Wenn ich nichts gemacht hätte, wäre es mir nach 14 Tagen wohl langweilig geworden. Ich brauche eine Herausforderung und ich wollte der Gesellschaft auch etwas zurückgeben.

Nicht alle Ihre Projekte waren aber so erfolgreich. Eine IT-Firma von Ihnen ist Konkurs gegangen, 150 Mitarbeitende haben Ihren Job verloren. Wie war es für Sie, nach so vielen Erfolgen zu scheitern?

Es kamen viele unglückliche Zustände zusammen, bis ich sagen musste: ich will oder kann kein Geld mehr einwerfen. Was mir diese Geschichte aber gelernt hat ist: Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Ich wollte mich danach nur noch dort einbringen, wo ich keine Berater brauche.

Machen wir das Beste daraus.

Sie haben nach jedem Lebensabschnitt eine Lektion mitgenommen, das steht in Ihrer Biografie «Rückschläge und andere Erfolge». Die letzte Lektion darin ist: «lieber krank sein und Freude haben, als gesund und freudlos sein.» Ist das die wichtigste Lektion?

Die begleitet mich sehr stark, seit ich krank bin. Aber in meinem Leben gibt es noch Schwachstellen, an denen ich arbeiten möchte. Ich möchte zum Beispiel zurückhaltender mit Spontankäufen werden. Oder letzthin hat mich jemand gefragt, was ich noch machen möchte, weil ich wohl nicht mehr lange leben werde. Ich sagte, ich möchte noch einmal meine beiden Töchter besuchen, die in Afrika und den USA leben. Meine Frau meint aber, das schaffe ich nicht mehr.

Macht das Sie nicht unglücklich?

Ich bin ein Mensch, der positiv denkt, der auch in schwierigen Situationen, das, was ich nicht mehr ändern kann, gelassen hinnehme. . Und was ich ändern kann, versuche ich mit aller Energie zu verändern.

Das Gespräch führte Marielle Gygax.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr;

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