Immer mehr Gemüsebauern stellen auf Hors-Sol um

Hors-Sol boomt: Die Fläche, auf der Gurken oder Tomaten ohne Bodenkontakt angebaut werden, hat sich in der Schweiz in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Dabei war Hors-Sol-Gemüse einst als künstliches Gemüse verschrien worden. Tempi passati: Heute gilt Hors-Sol gar als umweltfreundlich.

Thomas Wyssa ist Gemüsebauer in Galmiz. Vor 10 Jahren hat er auf die Hors-Sol-Technik umgestellt. Und Technik ist bei dieser Anbau-Methode wörtlich zu nehmen. Zwar sind es immer noch grüne, saftige Pflanzen, an denen die Früchte gedeihen. Doch es ist der Computer, der den ganzen Produktions-Prozess steuert, von der Bewässerung über die Belüftung zur Beheizung des Treibhauses.

«  Ich spare Wasser und Nährstoffe und muss auch weniger Pflanzenschutz einsetzen. »

Thomas Wyssa
Gemüsebauer aus Galmiz FR

Wyssa hat sich auf Hors-Sol-Gurken spezialisiert. Zweieinhalb Meter wachsen die Pflanzen in die Höhe, ihre Wurzeln stecken in einem feinkörnigen Sandgemisch. Perlit heisst es. Zweifel hatte Wyssa zunächst durchaus, ob sich diese Hors-Sol-Gurken auch wirklich vermarkten liessen. Heute sagt Gemüsebauer Wyssa: «Es war ein guter Entscheid.» Er kann doppelt soviele Gurken ernten als früher pro m2, auch weil er jetzt zweimal pro Saison anpflanzt. Und: Die Gurken sähen auch noch besser aus. Und das sei nicht das einzige, was für die Hors-Sol-Kultur spricht.

«Hors-Sol ist eine ökologische Anbau-Methode», sagt Wyssa und erklärt. Er spare Wasser und Nährstoffe, weil alles, was die Pflanzen nicht schlucken können, wieder gefasst und rezikliert werde. Auch was die Schädlingsbekämpfung angeht, seien Hors-Sol-Gurken weniger anfällig. Er brauche also auch weniger Pflanzenschutzmittel.

Allerdings: Punkto Ökologie gibt es auch Einwände. Denn die Anbau-Methode ist energieintensiv. Die Treibhäuser müssen beheizt werden. Das passiert auch bei Wyssa mit Erdöl. Nichtsdestotrotz: Bei den KonsumentInnen hat Hors-Sol seinen Schrecken verloren. Das stellt auch Konsumentenschützerin Sara Stalder fest: «Für die Konsumenten zählt heute mehr, woher das Produkt kommt.» Und die KonsumentInnen seien sich auch bewusst, dass es nicht ohne eine gewisse Industrialisierung der Landwirtschaft gehe.

Ob eine Gurke aus Hors-Sol-Anbau stammt, das lässt sich in den meisten Fällen aber nicht feststellen. Denn: Eine Deklarationspflicht besteht nicht. So wie Bio-Produkte auch angeschrieben seien, sollte es auch bei Hors-Sol sein, sagt dazu Sara Stalder. Aber noch wichtiger sei, dass die Herkunft deklariert werde. Auf 165 Hektaren wurde in der Schweiz 2015 Hors-Sol-Gemüse angebaut. Fast alle einheimischen Tomaten und Gurken, die nicht aus Bio-Produktion stammen, wachsen ohne Boden-Kontakt.

SRF 4 News (18:00 Uhr)