Josephine Cinqualbre: «Berner haben unglaublich viel Vertrauen»

Die 26-jährige Französin Josephine Cinqualbre lebt seit zweieinhalb Jahren in Bern. Die Grossstadt Paris, wo sie aufgewachsen ist, fehlt ihr nicht. Über gewisse Gewohnheiten der Bernerinnen und Berner staunt sie aber immer noch.

Portrait Josephine Cinqualbre, im Hintergrund das chemische Institut der Uni Bern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Im Labor sprechen wir vor allem englisch», so die Chemiedoktorandin. Leonie Marti/SRF

Die Schweiz, das war für Josephine Cinqualbre lange Zeit ein Land der Klischees: Berge, Käse und Schokolade. Sogar, dass hier ein eigener Dialekt und nicht Hochdeutsch gesprochen wird, war ihr fremd. Deshalb war ihre Anfangszeit, zumindest in sprachlicher Hinsicht, eine Herausforderung.

Zusatzinhalt überspringen

Frankreich in Bern

Vom 18. bis 20. Juli macht die Tour de France Halt in Bern. Grund genug, die französische Gemeinde in Bern unter die Lupe zu nehmen: Wie leben die Franzosen und Französinnen hier? Was schätzen sie, was weniger?

Unsere Porträts:

Die sprachlichen Kenntnisse der Bernerinnen und Berner hätten ihr aber enorm geholfen, so die 26-Jährige, die am chemischen Institut der Universität ein Doktoratsprogramm absolviert. «Wenn ich die Leute hier frage, ob sie französisch sprächen, antworten sie meistens ‹un petit peu› – dabei verfügen sie über ein riesiges Vokabular», so Cinqualbre. Das sei eben typisch für die Bescheidenheit der Schweizer.

Die Leute in Frankreich sind misstrauischer

Auch typisch sei, dass die Leute hier ein grosses Vertrauen hätten. «Viele lassen ihre Rucksäcke oder Smartphones an einem bestimmten Ort liegen und hätten sie dann nicht dauernd im Blickfeld.» Franzosen seien da viel misstrauischer. Auch ein Erlebnis auf einem einem Bauernhof habe sie erstaunt: «Es gab Eier, daneben ein Kässeli. Und am Ende des Tages war beides noch da.» Das würde in Frankreich nicht funktionieren, so die Pariserin.

Kontakt mit Landsleuten hätte sie nicht so viel. «Aber ich bin auch sehr oft im Labor», so die Chemikerin. Wenn die Tour de France nach Bern kommt, dann stünde sie aber sicher am Strassenrand. «Denn die Tour de France, das ist eine Institution.»