Jungfrauregion: Bahnen brillieren, Hotels leiden

2012 war für die Jungfraubahnen nicht nur Jubiläumsjahr, sondern auch ein sehr erfolgreiches Jahr: Noch nie waren so viele Besucher auf dem Jungfraujoch. Weniger erfreulich war das vergangene Jahr hingegen für die Hoteliers.

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Hotels profitieren nicht von Jungfraubahnen

7:50 min, aus Schweiz aktuell vom 17.4.2013

Zwischensaison in der Jungfrauregion: In einigen Hotels wird gehämmert, gemalt und gemeisselt. Auch im Hotel Hirschen in Grindelwald. Hotelier Patrick Bleuer schaut aber, wie viele der anderen 90 Hotels in der Region, auf ein durchzogenes Jahr 2012 zurück. «Mir fehlen die Gäste aus Europa. Deshalb musste ich im Gastrobereich leider acht Stellen abbauen.»

Phillippe Sproll, Geschäftsführer Jungfrau Region Marketing bestätigt die Entwicklung. Die Jungfrauregion habe kein qualitatives Problem, sie sei für Touranbieter aus Europa zu teuer.

Geld für den Juwelier, nicht fürs Hotel

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Weniger Wintersportler

Die Jungfraubahnen erzielten 2012 einen Umsatz von 157,9 Millionen Franken, der höchste in der Geschichte Gruppe. Das Wintersportgeschäft litt aber unter dem starken Franken: Einnahmen von 23,4 Millionen Franken sind ein Minus von 0,5 Prozent.

Dank den Jungfraubahnen kommen zwar immer mehr Asiaten in die Region. Die wollen aber nur aufs Joch und übernachten nur selten in der Region. Lediglich vier Prozent der asiatischen Touristen bleiben über Nacht. Das bedauert Phillippe Sproll: «Die asiatischen Gäste bringen der Region noch nicht so hohe Wertschöpfung.»

Urs Hauser vom Hotel Belvedere in Grindelwald präzisiert: «Die asiatischen Gäste haben tiefe Übernachtungs- und Essenbudgets, geben dann aber viel Geld beim Juvelier aus. Ich gönne das dem Juwelier, aber wir haben damit ein Problem.»

«Ohne ihn wäre das Joch leer»

 Ganz anders klingt es bei den Jungfraubahnen: «Der asiatische Gast ist zentral für uns. Ohne ihn wären das Joch und die Bahnen leer», sagt CEO Urs Kessler. «Wichtig ist nun, aus diesen Gästen Touristen zu machen, die vier Tage oder eine ganze Woche bleiben. Dann profitiert die ganze Region.»

Bis es soweit ist, muss Patrick Bleuer vom Hotel Hirschen hin und wieder eine Anfrage von asiatischen Touranbietern ausschlagen. «Wenn Anfragen kommen, deren Preis einfach zu tief ist, muss ich nein sagen. Ich brauche einfach einen gewissen Betrag pro Gast, damit ich nicht draufzahle.»