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Jura-Frage spaltet Moutier Mit Wut im Bauch zum nächsten Urnengang

Die Abstimmung über Moutiers Kantonswechsel wurde annulliert. Die Separatisten gehen mit der Faust im Sack an die anstehenden Gemeindewahlen.

Legende: Audio Heisse Stadtpräsidentenwahl in Moutier abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
04:20 min, aus Rendez-vous vom 12.11.2018.

Marcel Winistörfer sitzt in seinem Büro im Rathaus. Seine Augen leuchten, wenn er vom Kanton Jura spricht. Genau dort möchte der Separatist mit seinem Städtchen hin: «Das ist eine Sache des Bauches. Wir sind Jurassier!»

Seit gut zwei Jahren ist er Stadtpräsident in Moutier. Doch nun muss er bei den kommenden Wahlen um seinen Sitz zittern. Ein Pro-Berner fordert ihn heraus. Sollte Winistörfer sein Amt verlieren, wäre das für ihn eine Katastrophe: «Ich wäre schon glücklich, wenn ich mit 50,1 Prozent gewählt würde.»

Propaganda-Vorwurf an Stadtpräsident

Der Stadtpräsident rechnet mit einem knappen Resultat. Denn er steht in der Kritik. Die Regierungsstatthalterin wirft ihm vor, mit Propaganda die Abstimmung rund um den Kantonswechsel beeinflusst zu haben.

Separatisten in Moutier
Legende: Die Separatisten in Moutier fühlen sich um ihre Stimme betrogen. Wollen sie nun bei den Gemeinderatswahlen ein Zeichen setzen? Keystone

Das Urteil könnte eine Auswirkung auf die Wahlen ins Stadtpräsidium haben, sagt Marcel Winistöfer: «Man könnte meinen, dass mein Gegner dadurch Rückenwind erhält. Aber vielleicht ist es auch für uns eine gute Sache: Die Leute könnten zusammenstehen und dagegenhalten.»

Seine Hoffnung hat guten Grund. Seit über zwanzig Jahren sind im bernischen Moutier die Separatisten an der Macht. Also jene, die ihre Zukunft im Kanton Jura sehen. Die Jurafrage steht immer im Zentrum der Gemeindewahlen. Das mobilisiere unheimlich, erklärt der Stadtpräsident: «In der Schweiz gibt es selten eine Gemeinderatswahl mit über 80 Prozent Stimmbeteiligung. Hier in Moutier könnte es aber wieder der Fall sein.»

Separatisten in Moutier
Legende: Das Urteil der Regierungsstatthalterin trieb am Freitag über 5000 Separatisten auf die Strasse. Keystone

Der Ärger sitzt tief und werde die kommenden Wahlen beeinflussen, ist eine junge Frau in Moutier überzeugt: «Die Separatisten werden mobilisieren, auch die Jungen.» Zwei Passantinnen stehen nach wie vor voll und ganz hinter ihrem Stadtpräsidenten. Marcel Winistörfer sei ein guter Stadtpräsident und wolle wie sie zum Kanton Jura.

Es brodelt in Moutier

Jene, die das nicht so sehen, sind in Moutier schwer zu finden, aber es gibt sie. Der Stadtpräsident sei nicht neutral und vertrete nur die Separatisten, klagt ein anderer Passant.

Es gibt gar keinen Konflikt mehr. Ich bin weiter überzeugt, dass diese Stadt nichts im Kanton Jura zu suchen hat.
Autor: Patrick ToblerKandidat als Stadtpräsident von Moutier

Einer der die Pro-Berner vertritt ist Patrick Tobler. Er steht vor dem Rathaus. Da möchte er hinein. Auf den Stuhl des Stadtpräsidenten. Der junge Präsident der lokalen SVP ist Winistörfers Herausforderer. Er macht sich jedoch keine Illusionen: «Man muss ehrlich sein. Meine Chance ist klein. Aber es ist gut, dass die Menschen in Moutier die Wahl haben.»

Er glaubt sogar, die Annullierung der Abstimmung zum Kantonswechsel habe ihm eher geschadet als geholfen: «Es könnte natürlich sein, dass sich die Separatisten sehr stark mobilisieren. Das ist die Gefahr für mich.»

Unversöhnliche Lager

Und sollte er doch überraschenderweise zum Stadtpräsidenten gewählt werden: Könnte er als bekennender Pro-Berner die Jurafrage lösen? «Diese Frage ist meines Erachtens bereits gelöst. Es gibt gar keinen Konflikt mehr. Ich bin weiter überzeugt, dass diese Stadt nichts im Kanton Jura zu suchen hat.» Und damit basta.

Patrick Tobler und Marcel Winistörfer. Sie verkörpern sozusagen den Jura-Konflikt. Sie vertreten zwei unversöhnliche Lager. Und egal, wie die Abstimmungen und Wahlen in Moutier ausgehen: Während die eine Hälfte des Städtchens jubelt, weint die andere.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic (Alex)
    Der Kanton Bern muss akzeptieren dass sämtliche Gebiete nördlich der Aare und nördlich des Bielersees nicht mehr zum Kanton Bern sondern zum Kanton Jura gehören wollen! Wäre auch einfacher dann weis man in Zukunft wo die Kantonsgrenze ist, nämlich genau am Fluss und am See! Und schliesslich wollen wir doch alle den Konflikt endlich beenden!
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Bern akzeptiert die jeweiligen Volksentscheide aber diese müssen korrekt ablaufen. Man sollte hierbei auch nicht vergessen, dass 2067 zu 1930 gestimmt wurde und auch die Gegner eines Kantonswechsels haben ein Anrecht auf einen sauberen Ablauf. Erst 2013 haben 48 von 49 Gemeinden des Berner Juras entschieden, dass sie beim Kt. Bern bleiben wollen
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    2. Antwort von Samuel Röthlisberger (S.Roethlisberger)
      Bei der Abstimmung sah es aber nicht so aus.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Im Jahr 1978 wurde durch eine eidgenössische Volksabstimmung die Gründung des Kantons Jura genehmigt. Es ging darum, einer geschichtlichen Entwicklung Rechnung zu tragen und auch dem Frieden zu liebe den Kanton Jura zuzugestehen. Ich finde es betrüblich, dass Jurassier immer noch um Gebiete des Kantons Bern streiten und nicht zufrieden sind mit dem, was sie nun haben. Noch unbegreiflicher finde ich, ist, dass die Pro-Jurassier die zu recht erfolgte Aberkennung der Abstimmung nicht akzeptieren.
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  • Kommentar von Adi Berger (Adi B.)
    Falls ich in Moutier wohnen würde wäte ich jedenfalls auch lieber Jursssien als Bärner
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