Kanton Bern stoppt Reh-Studie

Nachdem zwei Dutzend Rehkitze von der Wildhut abgeschossen werden mussten, weil sie an Forschungs-Halsbändern zu ersticken drohten, zieht der Kanton Bern die Notbremse. Die Versuche werden abgebrochen. Das Bundesamt für Umwelt kritisiert den Entscheid.

Ein junges Rehkitz im Gras. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Keine Besenderung mehr»: Bern zieht die Notbremse. Keystone

Die Halsbänder passten sich dem Wachstum der Tiere nicht an und strangulierten sie. Dies trug der Uni Zürich schwere Vorwürfe ein. Jetzt zieht der Kanton Bern die Konsequenzen und reagiert auch auf politische Vorstösse.

«Der Volkswirtschaftsdirektor hat dem Bundesamt für Umwelt und der Universität Zürich bekannt gegeben, dass sie die Verantwortung tragen. Aufgrund der Vorfälle sind solche Versuche im Kanton Bern sofort einzustellen. Eine neue Besenderung von Rehen ist nicht mehr möglich» sagte Urs Zaugg vom bernischen Amt für Landwirtschaft und Natur LANAT.

Kritik vom Bund

Beim Bundesamt für Umwelt, das die Studie finanziert, ist man erstaunt über das Vorgehen des Kantons. «Regierungsrat Rickenbacher hat den Entscheid getroffen, ohne die Situation richtig zu analysieren», sagt der Wildtierverantwortliche Reinhard Schnidrig gegenüber Radio SRF.

Das sei ein seltsames Vorgehen, insbesondere weil die Studie auf ein Begehren des Kantons zurückgehe. Schnidrig räumt aber ein, dass mit den defekten Halsbändern ein «dummer Fehler» passiert sei. Ein Tierschutzproblem habe man durch die Abschüsse jedoch verhindern können.

Uni Zürich ist konsterniert

Für die Uni Zürich ist der Entscheid ein schwerer Schlag. «Es kann doch nicht sein, dass der Kanton Bern keine Wildforschung mehr will», sagte Forschungsleiter Lukas Keller im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Ohne technische Hilfsmittel wie Sender-Halsbänder seien Resultate aber gar nicht möglich. Er will deshalb mit der Politik und der Regierung das Gespräch suchen.

Das Versagen der Sender-Halsbänder ist für Lukas Keller allerdings auch «der Alptraum jedes Wildbiologen. Es ist auch für uns eine sehr emotionale Sache». Ob die vorhandenen Daten genügen, um das Forschungsziel zu erreichen, müsse man nun überprüfen.

Die Grossräte, die den sofortigen Abbruch der Forschungs-Reihe forderten, sind also zufriedengestellt, nur drei Wochen, nachdem sie ihr Begehren eingereicht hatten. Sie wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden die Forschung behindern. «Erstens muss es funktionieren und zweitens muss es einen Nutzen haben. Um den Einfluss vom Luchs auf die Rehe zu überprüfen, braucht es nicht ein solches Zeug. Da kann man jeden Jäger oder Wildhüter fragen», sagte SVP-Grossrat Christoph Berger.