Lehrplan 21 Kanton Bern vereinfacht Schulzeugnisse

Seine Vorschläge für eine vereinfachte Schülerbeurteilung im Rahmen des Lehrplan 21 seien auf ein positives Echo gestossen, sagt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver. Daher legt er nun die definitiven Regelungen vor.

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Bildlegende: Erst ab der 2.Klasse soll es Zeugnisse geben. Keystone

  • Bisherige Zeugnisse sollen vereinfacht und ihre Anzahl reduziert werden.
  • In der Unterstufe gibt es nur Ende der 2. und Ende der 4. Klasse ein Zeugnis.
  • Ab der 7. Klasse werden zusätzlich zum Zeugnis in einem sogenannten Portfolio die überfachlichen Kompetenzen beurteilt.
  • Standortgespräche mit den Eltern werden aufgewertet und künftig in einem Protokoll schriftlich festgehalten.
  • Lehrpersonen, Eltern und das Gewerbe sind zufrieden.

Mit der Einführung des Lehrplanes 21 sollen die bisherigen Zeugnisse vereinfacht und ihre Anzahl reduziert werden. Die Vorschläge seien im Konsultationsverfahren positiv aufgenommen worden, sagte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver vor den Medien. Entsprechend habe er nun mit einigen Änderungen definitive Regelungen festgelegt. Der Lehrplan 21 und damit auch die neuen Beurteilungsregeln gelten gestaffelt ab dem Schuljahr 2018/19.

Erst ab der zweiten Klasse

Im Kindergarten und in der 1. Klasse fallen die Beurteilungsberichte ganz weg. Das erste Zeugnis gibt es am Ende des 2. Schuljahres. Die nächsten Beurteilungsberichte erhalten die Schülerinnen und Schüler Ende des 4., 5. und 6. Schuljahres.

In der 7., 8. und 9. Klasse gibt es zusätzlich zu den Zeugnissen ein sogenanntes Portfolio mit Beurteilungen allgemeiner Fähigkeiten wie Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit oder Verantwortungsbewusstsein. Dieses Portfolio solle Lehrbetrieben helfen, künftige Lernende zu beurteilen. Das Portfolio war daher unter Fachleuten und Politikern umstritten. Man habe es nach der Konsultationsphase auch in gewissen Punkten abgeändert, sagte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver vor den Medien. So sei der politisch heikle Punkt «Umgang mit Vielfalt» aus dem Portfolio gestrichen worden.

Auf allen Stufen der Schule bekommt das Standortgespräch mit den Eltern einen noch zentraleren Stellenwert als vorher. Neu muss ein einfaches schriftliches Protokoll für das Gespräch verfasst und von der Lehrperson, den Eltern und den Schülerinnen und Schülern unterschrieben werden.

Positive Reaktionen von Lehrpersonen, Eltern und Gewerbe

Die Reaktionen auf die neu gestaltete Schülerbewertung sind positiv. «Wir sind zufrieden», sagt Franziska Schwab von der Lehrervereinigung Bildung Bern. «Mit den neuen Regelungen wird mehr gefördert und weniger gemessen wird», sagt die Lehrervertreterin mit Blick auf die Entlastung der Unterstufenschülerinnen und -schüler bei den Zeugnissen.

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Mehr Schule – weniger Aufgaben

Mit dem Lehrplan 21 wird die Lektionenzahl im Kanton Bern auf den einzelnen Schulstufen erhöht. Im Gegenzug soll es dafür deutlich weniger Hausaufgaben geben.«Wir begrüssen es sehr, dass das Lernen vermehrt in die Schule zu den Fachleuten verlagert wird», sagt Gabriela Heimgartner von der bernischen Elternvereinigung Schule & Elternhaus.

Gabriela Heimgartner von der Elternvereinigung Schule & Elternhaus hebt den Ausbau der Standortgespräche hervor: «Es wird mehr Wert darauf gelegt, welche Fähigkeiten noch gefördert werden können, statt nur zu beurteilen.». Mit dem Portfolio, zusätzlich zum Zeugnis auf der Oberstufe, würden die Schülerinnen und Schüler zudem ganzheitlicher beurteilt.

«Das gesamte Beurteilungssystem ist eine gute Grundlage für die Einschätzung von Schulabgängerinnen und -gängern», sagt auch Christoph Erb, Direktor des Gewerbeverbands Berner KMU. Das Portfolio in Kombination mit den Zeugnissen sei ein taugliches Instrument für Lehrbetriebe, künftige Lernende zu beurteilen. Ob das neue Beurteilungssystem der Schule umstrittene Tests der Privatwirtschaft obsolet machen werde, müsse sich allerdings noch zeigen.