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Kehrichtabfuhr bei Firmen Warum sich Köniz um den Abfall von Firmen reisst

Mehr Markt bei der Abfallentsorgung. Gemeinden befürchten Wildwuchs und sehen Gebührengelder wegfallen. Köniz reagiert.

Legende: Audio Das Abfall-Monopol fällt abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
04:53 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 26.10.2018.

Hansueli Pestalozzi, Gemeinderat von Köniz, findet markige Worte, wenn es um die neuen Abfallregeln geht: «Es ist ein ökologischer Blödsinn, wenn plötzlich fünf Kehrichtwagen durch die Gemeinde kurven.» Bei Grossbetrieben mache es durchaus Sinn, wenn sie selber für den Abtransport ihres Kehrichts sorgen.

Der Überblick

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Siedlungsabfall:

  • Abfälle, die aus Haushalten stammen.
  • Abfälle, die aus Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen stammen und deren Zusammensetzung betreffend Inhaltstoffe und Mengenverhältnisse mit Abfällen aus Haushalten vergleichbar sind.

Übrige Abfälle:

  • In Unternehmen mit 250 oder mehr Vollzeitstellen fallen rechtlich gesehen keine Siedlungsabfälle an.
  • Es handelt sich um Betriebs-, Gewerbe- oder Industrieabfälle.
  • Diese müssen vom Inhaber entsorgt werden.

Gemäss der neuen Regelung des Bundes dürfen Firmen mit über 250 Vollzeitangestellten selber schauen, wer ihren Abfall abholt. In Köniz betrifft das gegen 100 Betriebe. Das kann eine Tankstelle sein, die zu einer schweizweit tätigen Kette gehört, ein Kiosk, eine Filiale einer Bank. Bis jetzt hat die gemeindeeigene Kehricht-Abfuhr die Container geleert oder die Abfallsäcke dort eingesammelt. Köniz möchte das aber auch weiterhin machen.

Es dürfte etwas teurer werden.
Autor: Hansueli PestalozziGemeinderat von Köniz

Dafür muss die Gemeinde das Abfallreglement so anpassen, dass sie als privater Anbieter auftreten kann. Die Abfuhr muss kostendeckend organisiert sein und darf nicht quer subventioniert werden. Was es die Betriebe in Köniz künftig kostet, wenn der Abfuhrwagen der Gemeinde vorfährt, das ist noch nicht klar. Aber: «Es dürfte etwas teurer werden», vermutet Hansueli Pestalozzi.

Sie setzen auf die Gemeinde

Wie viele der 100 Betriebe künftig selber die Kehrichtabfuhr selber wählen, ist offen. Die Medizinaltechnik-Firma Haag-Streit mit Sitz in Köniz füllt heute fünf Container pro Woche und lässt sie von der Gemeinde abholen. Daran soll sich vorderhand nichts ändern, heisst es auf Anfrage. Und der Detailhändler Denner, der Pet-Flaschen, Karton und Verpackungsmaterial selber entsorgt, will für den normalen Kehricht die Gemeindeabfuhr berücksichtigen.

Wer profitiert von der Abschaffung des Kehrichtmonopols? Bei der Schwendimann AG aus Münchenbuchsee sorgt die neue Regelung eher für Unruhe. Für rund 100'000 Einwohner in über 30 Gemeinden macht Schwendimann die Abfuhr.

Für die paar Säcke des Kiosks oder der Bankfiliale lohnt sich eine neue Abfuhr-Tour nicht.
Autor: This SchwendimannVerwaltungsratspräsident Schwendimann AG

Dass sich da jetzt ein neues Geschäftsfeld auftut, glaubt Verwaltungsratspräsident This Schwendimann nicht. Die ganz grossen Firmen hätten schon lange eigene Lösungen für die Kehrichtabfuhr. Und für ein paar Ghüdersäcke lohne es sich nicht, eine neue Abfuhr-Tour zu machen.

Die neue Bundes-Regelung tritt auf 1. Januar 2019 in Kraft. Sie geht zurück auf einen Vorstoss von Nationalrat Kurt Fluri (FDP/SO). Das Entsorgungsmonopol der öffentlichen Hand für Siedlungsabfälle fällt damit weg.

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