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Legende: Audio «Selbstverletzungen sind ein Schreck für das Umfeld» abspielen. Laufzeit 05:16 Minuten.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 15.02.2019.
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Kinder- und Jugendpsychiatrie Wenn sich das Kind selbst verletzt

Die Zahl der Jugendlichen, die sich selbst ritzen oder brennen, steigt an. In Bern gibt es eine eigene Anlaufstelle dafür.

Jochen Kindler erzählt von einem 15-jährigen Mädchen, das kürzlich im Ambulatorium der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton Bern war: «Sie wollte nicht mehr Leben, hat sich selbst verletzt und ist in drastischem Zustand in das Notfallzentrum eingeliefert worden.»

Danach habe sie mit einer Therapie im Ambulatorium «Atrisk» begonnen, dort, wo Jochen Kindler der leitende Arzt ist. «Wir haben festgestellt, dass das Mädchen Eltern mit hohen Ansprüchen hat. Die Tochter hat die Ansprüche übernommen und sich die Ziele so hoch gesetzt, dass sie nicht mehr erreichbar waren.» Sie sei traurig geworden, habe sich zurückgezogen und sich verletzt.

Hoher Druck, Depressionen, Drogen

Selbstverletzungen hätten stark zugenommen, sagt Jochen Kindler. Das sehe er im Arbeitsalltag. Zwar gebe es für die Schweiz keine Zahlen. Aber man wisse: «Rund 15 Prozent aller Jugendlichen verletzen sich irgendwann selbst.» Gründe seien Druck in Schule und Alltag, psychische Erkrankungen, aber auch Suchtmittelkonsum.

Aus diesem Grund hat die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie das Ambulatorium «Atrisk» gegründet. Dort können sich Jugendliche mitunter spontan in eine offene Sprechstunde kommen, ohne Termin. «Das Angebot wird benutzt», sagt Jochen Kindler.

Sich einem Erwachsenen anzuvertrauen, stellt für viele Jugendliche eine Hürde dar.
Autor: Jochen KindlerLeiternder Arzt Ambulatorium «Atrisk»

Ein bis vier Jugendliche kommen jeweils vorbei zu einem Gespräch. Viele hätten aber noch Respekt: «Es bleibt die Restangst, als Psychiatriefall zu gelten, gerade bei den Jugendlichen.» Für viele stelle es eine Hürde dar, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen. «Wenn sie aber hier hinausgehen, dann ritzen sie sich im Normalfall nicht mehr.»

Verdreifachung der Fälle in der Psychiatrie

Das Ambulatorium an der Effingerstrasse 6 in Bern ist eine Massnahme, um auf die steigenden Zahlen von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu reagieren, sagt Michael Kaess, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern.

Massiv mehr Fälle in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern zählt in den letzten Jahren stetig mehr junge Menschen, die Hilfe suchen:

  • In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Fallzahlen etwa verdreifacht.
  • Am stärksten steigen die Zahlen bei den Notfällen. Waren es vor zehn Jahren noch weniger als 100, so behandeln die Fachleute unterdessen gegen 300 akute Notfälle jährlich. Es geht um akut suizidgefährdete junge Leute.
  • Auch im stationären Bereich steigen die Fälle: Es gibt Wartezeiten, die bis zu mehreren Monaten dauern können.

«Im Winter und Frühjahr kann es schon bis zu zwei Monaten dauern, bis wir jemanden in die Klinik aufnehmen können», sagt Michael Kaess, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. «Aber wir versuchen, dringende Fälle vorzuziehen».

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Blaues und stark weisses Licht hemmt den Melatonin Aufbau. Melatonin ist das stärkste Antoxitanz im Körper. In einem Lärchenzimmer und noch mehr in einem Zirbelkifer(Arve) Zimmer kommt oft kein Handysignal mehr durch. Die Rotbraune Farbe schluckt das Computerlicht und lässt den Herzschlag um 10 Prozent sinken. Dieser Schutz und diese Stille braucht der Geist in der Nacht. Nur ein Paar Anregungen die Zirbeldrüse mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Die Epiphyse und Hypophyse sind zentral.
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  • Kommentar von Walter Balmer  (WalBal)
    Kenne selber drei Jugendliche die aus verschieden sozialen Verhältnissen stammen und die oben beschriebenen Probleme haben. Alle drei haben in ihrem Teenageralter regelmässig Haschisch geraucht und sich zum Teil exzessiv mit Computerspielen befasst. Während beim Mädchen noch der falsche Umgang mit angeblichen Freunden dazugekommen ist, kann man dies bei den Jungs nicht unbedingt sagen. Aber vielleicht ist dies auch nur eine auswirkung der Dauerberiselung mit WLAN- und Handy- Strahlung.
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Ich habe immer gemeint, die Kita sei eine soooooooo tolle Alternative zur elterlichen Erziehung. Dem scheint nicht gerade so zu sein. Zum Glück gibt es noch Eltern, die ihre Schützlinge nicht einer fremden Organisation anvertrauen, sondern, wenn sie gezwungen sind, beide einen Beruf auszuüben, ihre Kinder der Obhut der Grosseltern anvertrauen.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Es geht weniger darum, die ausserhäuslichen Fremdbetreuung mit Gleichaltrigen gegen die familiäre oft auf Mutter: Kind reduzierte Betreuung auszuspielen. Zudem haben nicht alle 'Grosselter', die die Enkel betreuen könnten oder wollen. Es geht doch ehrer darum, Frau Zelger, dass die Entfremdung auf allen Ebenen stattfindet und zu einer Abstaktion
      des allltäglichen Lebens führt. Ich sehe es im Sinne Simone Weils als eine seit der Industrialisierung vorangetriebene Entwurzelung des Menschen ...
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