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Bern Freiburg Wallis Klassische Musik in Abwesenheit der Jungen?

Bern feiert am Mittwoch den ersten Klassiktag. Auf Plätzen und an Strassenecken gibt es Kurzkonzerte von Ensembles sowie Musikerinnen und Musikern aus Bern. Der Verein «Konzerte Bern» will die Klassik damit hin zu den Leuten bringen – zu jüngeren Leuten.

Männerköpfe mit grauen Haaren an einem Konzert in der Kirche.
Legende: Graue Haare sind üblich an Klassikkonzerten. Hier etwa in der Französischen Kirche Bern. Urs Gilgen/SRF

Es ist ein bekanntes Bild: das Publikum an Klassikkonzerten ist grauhaarig. So auch an diesem Sonntag in der Französischen Kirche, als ein Werk von Gioachino Rossini vorgeführt wird. Eine der ganz wenigen jungen Personen auf den Bänken ist eine 31-jährige Frau. «Das hier ist leider der Normalfall», sagt sie und fügt an, «vielleicht braucht klassische Musik etwas mehr Lebenserfahrung».

Klassik auf der Strasse

Auch Kaspar Zehnder weiss, dass eher ältere Leute an Klassikkonzerte gehen. Er ist Dirigent des Sinfonieorchesters Biel-Solothurn und Präsident des Vereins «Konzerte Bern». Dieser Zusammenschluss der Berner Klassikveranstalter will der Klassik zu mehr Bekanntheit verhelfen. Der erste Berner Klassiktag sei ein Mittel, um ein anderes und jüngeres Publikum anzusprechen, sagt er: «Die klassische Musik muss ihre elitäre Haltung ablegen und aus den Konzertsälen auf die Strasse kommen.

Dass aber ein paar Konzerte auf der Strasse nicht reichen, um eine jüngere Generation zu begeistern, ist auch ihm bewusst. Kontakte zur klassischen Musik müssten daher bereits in den Schulen ermöglicht werden.

Ein Ensemble, das regelmässig vor Schülerinnen und Schülern spielt, ist die Camerata Bern. Direktor Louis Dupras sagt, es sei wie im Sport: «Wenn Kinder in der Schule mit Sport in Kontakt kommen, kann das eine Begeisterung auslösen. So ist es auch in der Klassik.» Nebst Konzerten für Schüler bietet die Camerata aber auch stark verbilligte Tickets für jüngere Leute an.

Solche Massnahmen sind ganz im Sinne der Stadt Bern. Die Abteilung Kulturelles der Stadtverwaltung verlangt nämlich, dass sich Subventionsempfänger um die jüngeren Generationen tun. So werde verlangt, dass Klassikveranstalter nach Möglichkeit Massnahmen ergreifen, um ein junges Publikum anzusprechen. Dazu gehöre auch, junge Musikerinnen und Musiker auf die Bühne zu bringen.

Sinfonie im Club

Kaspar Zehnder findet das elementar. «Will man ein junges Publikum, muss man auch junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne haben», sagt er. Zudem sei es sinnvoll, die klassische Musik hin und wieder in den Lokalen der jungen Leute aufzuführen, dass das Sinfonieorchester beispielsweise im Club spielt.