Kleine Scheunen in den Berner Bergen vor Zerfall retten

Die kleinen Scheunen auf den Wiesen im Berner Oberland prägen das Landschaftsbild. Deshalb müsse man sie erhalten, findet der Gründer eines neuen Vereins im Saanenland. Die Bauern fühlen sich dazu aber nicht in der Lage und bei der Politik ist das Problem schlicht noch zu wenig wichtig.

Sie stehen zu Tausenden in den Berner Alpen: die kleinen Holzscheunen. Die Bauern benutzten sie früher als Weidestall oder als Heulager. Heute stehen viele leer und zerfallen allmählich. Der Verein «Schür.li» will das ändern. Gegründet hat den Verein der Architekt Michi Gehret aus Feutersoey im Saanenland. Für ihn erfüllen die Scheunen einen Zweck: «Sie prägen das Landschaftsbild, das Touristen, Wanderer und auch Einheimische so schätzen.»

In einem ersten Schritt hat Gehret damit begonnen, die Scheunen zu zählen und zu fotografieren. «Allein in meiner kleinen Gemeinde Gsteig haben wir 185 Scheunen gezählt. Im Saanenland sind es gegen Tausend, im ganzen Alpenraum gegen 100'000», so Gehret.

«  Die Scheunen werden heute schlicht nicht mehr gebraucht. »

Michi Gehret
Architekt und Vereinsgründer «Schür.li»

Sein Verein habe den Leuten die Augen geöffnet, «so dass sie diese Scheunen jetzt überhaupt wieder sehen». Das sei ein wichtiger erster Schritt gewesen. Doch jetzt gehe es darum, die kleinen Scheunen vor dem Zerfall zu retten. Denn viele seien in schlechtem Zustand, «schlicht weil sie nicht mehr gebraucht werden», so Gehret.

Die Landwirte können es nicht richten

Die Landwirtschaft habe sich im Oberland eben zentralisiert, sagt Andreas Wyss, Geschäftsleiter beim Berner Bauernverband. Heu, Vieh und Maschinen würden an einem Standort gehalten, weshalb es keinen Bedarf mehr gebe für die Scheunen. Doch die Bauern als Besitzer könnten die Gebäude nicht retten: «Man darf nicht von den Bauern verlangen, dass sie immer kostengünstiger produzieren und gleichzeitig Infrastruktur erhalten, die sie nicht brauchen.» Es müssten sich andere Kreise engagieren, wenn die Scheunen als wichtig erachtet werden: die Gemeinden, oder die Tourismusförderer.

Wer sich engagieren soll, ist die eine Frage. Die andere ist, wofür die Scheunen benutzt werden könnten. Architekt Michi Gehret findet, es müssten neue Nutzungen ermöglicht werden. Damit wäre schon ein guter Teil des Schutzes gewährleistet. Dazu braucht es aber die Politik. Gehret hat deshalb mit dem Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl Kontakt aufgenommen.

Alle retten geht nicht

Luginbühl kennt das Problem der zerfallenden Scheunen. Alle könne man nicht retten, «aber in einigen Regionen kann es schon Sinn machen, die Scheunen zu erhalten». Dafür sei denkbar, auch mal etwas Geld zu sprechen. Oder aber neue Nutzungen zuzulassen, wenn auch in engen Grenzen: «Die Grenze ist für mich die Erschliessung. Wir können nicht neue Strassen bauen, um zu den Scheunen zu gelangen. Aber man kann sich schon andere Nutzungen vorstellen. Im Wallis und im Tessin hat man das ja auch ermöglicht.»

Grundsätzlich müsse das Thema aber auf der Traktandenliste der Politik noch etwas nach oben rücken, damit etwas geschehe, so Luginbühl. Daran arbeitet Michi Gehret. Die Mitgliederzahl seines Vereins steige stetig, sagt er.