Kloster St. Urban Karpfenzucht wie einst bei den Mönchen

Ein Verein erweckt die historische Karpfenzucht des Klosters St. Urban zu neuem Leben. Jetzt auch auf Berner Boden.

Rund um das ehemalige Kloster St. Urban belebt der Verein «Karpfen pur Natur» die Teichwirtschaft wieder – nach dem Vorbild der früheren Mönche. Sie haben in der Region bis ins 18. Jahrhundert eine grossangelegte Karpfenteichwirtschaft betrieben. Auf einer historischen Ansicht sind Teiche rechts unten zu sehen.

Historische Ansicht des Klosters St. Urban. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: ZVG/Verein KPN

Ihn habe diese Teichwirtschaft von Kindesbeinen an fasziniert, sagt Projektleiter Manfred Steffen. Das Kloster habe viel in die Fischzucht investiert, die grössten Teiche hätten Flächen von über zehn Fussballfeldern gehabt.

«  Ein grosser Karpfenteich kostete damals so viel wie heute eine Mehrzweckhalle. »

Manfred Steffen
Projektleiter Verein «Karpfen pur Natur»

Die Dämme waren teilweise so breit, dass zwei Fuhrwerke kreuzen konnten. Noch heute führt die Hauptstrasse von St. Urban nach Langenthal über einen solchen Damm. Rechts davon hat einst ein riesiger Weiher die Landschaft überflutet.

Mit viel Freiwilligenarbeit baut der Verein seit über zehn Jahren Teiche nach altem Vorbild. Der erste war der kleine Aeschweiher. Immer im Herbst wird er abgefischt und hat danach nur wenig Wasser.

Die Karpfen werden in einem Restaurant in der Region angeboten, ausserdem organisiert der Verein im Herbst Karpfenessen. «Die Fische ernähren sich nur von Tieren aus dem Teich, wir füttern sie nicht», sagt Manfred Steffen. Daher hätten sie auch einen guten Geschmack.

Die Weiher dienen nicht nur der Fischzucht, sie sollen auch die Artenvielfalt fördern.

«  Hier wachsen Pflanzen, die es sonst in der Region nicht mehr gibt. »

Manfred Steffen
Verein «Karpfen pur Natur»

So zum Beispiel das schwarzbraune Zyperngras, das auch in historischen Schriften des Klosters erwähnt wird oder der Teichampfer, der sich im Herbst rot färbt.

Das ehemalige Kloster St. Urban steht auf Luzerner Boden im Dreiländereck der Kantone Luzern, Bern und Aargau. Die alten Klosterländereien werden heute durch Kantonsgrenzen zerschnitten. Drei neu geschaffene Weiher liegen in St. Urban, Altbüron und Pfaffnau auf Luzerner und zwei in Brittnau und Rothrist auf Aargauer Boden.

Nun soll auch ein Weiher in bernischen Melchnau entstehen. Ein wichtiger Ort: Das Kloster (im Bild) wurde einst von der Burg Langenstein in Melchnau aus gegründet.

Die Mönche des Klosters St. Urban betrieben eine grosse Fischzucht, weil sie als Zisterzienser kein warmblütiges Fleisch essen durften. Begünstigt wurde das Anlegen von Teichen vom lehmigen Boden in der Gegend.

Rund 20 grosse und dutzende kleine Teiche gab es. Heute ist in den Bauten des ehemaligen Klosters eine psychiatrische Klinik untergebracht.