Krähenplage in der Stadt Bern: Abschuss kaum denkbar

Die Saatkrähen sorgen in der Stadt Bern für rote Köpfe: Ihre Population nimmt stetig zu. In den Bergen gibt der Wolf zu reden. Die Behörden appellieren an die Toleranz.

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Bildlegende: Ob Wolf oder Saatkrähe: Die Tiere schleichen sich vermehrt in den Lebensraum der Menschen. Keystone/Wikimedia

Saatkrähen sind gesellige Tiere. Sie leben in grossen Kolonien und suchen ihre Nahrung auch in der Gruppe. Die grossen Kolonien sind eindrücklich. Meist bauen gleich mehrere Paare im selben Baum ihre Nester. Zum Leidwesen jener Menschen, die in nächster Nähe zu diesen Bäumen leben. Früh morgens und spät abends sind die Kolonien besonders laut. Der Vogellärm stört die Ruhe der Anwohner. Fussgänger, die unter einem Baum mit Saatkrähen-Nestern durchgehen, werden oft vom Vogelkot getroffen.

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Bildlegende: Sabine Tschäppeler von der städtischen Fachstelle Natur und Ökologie. SRF

In der Stadt Bern lebten vor gut 20 Jahren rund 30 Saatkrähen-Paare; heute sind es über 750. Die Stadt Bern hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, die Tiere zu verscheuchen. Da wurden Nester von den Bäumen geholt, die Nester mit Plexiglas überdeckt oder die Tiere mit Licht aufgeschreckt.

 «Keine Massnahme zeigte längerfristig Wirkung», sagt Sabine Tschäppeler von der städtischen Fachstelle Natur und Ökologie im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» vom Mittwochabend. «Die Tiere sind intelligent, lassen sich nicht abschrecken und bauen ihre Nester immer wieder neu.»

Jahrelang waren die Saatkrähen geschützt. Weil sich ihre Population jedoch erholt hatte, wurde der Schutz dieses Vogels gelockert. Die bernische Regierung passte die kantonale Jagdverordnung an. Verursachen Saatkrähen Schäden, dürfen sie neu auch von Grundbesitzern abgeschossen werden. Dies, weil sie unter den sogenannten Selbsthilfeartikel fallen. Das klingt einfach, ist es aber in der Praxis nicht.

Der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig rät ab, einfach zur Flinte zu greifen. Für den Abschuss brauche es eine Bewilligung des Kantons, eine entsprechende Ausbildung und einen Waffenschein.

Zudem müssen die Saatkrähen Schäden verursachen - nervender Lärm reicht nicht für einen Abschuss aus. «Ich erwarte von den Städtern mehr Toleranz gegenüber Wildtieren, und nicht nur von der Landbevölkerung, die sich zum Beispiel mit dem Wolf arrangieren muss.»