Krankenkassen-Regionen im Kanton Bern: Revision ist überfällig

Dass die Gesundheitskosten in Innertkirchen tiefer sind als in der Agglo Bern, liegt auf der Hand. Deshalb bezahlen die Landgemeinden weniger Krankenkassen-Prämien. An den Rändern dieser Prämien-Regionen gibt es allerdings wunderliche Einteilungen.

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Bildlegende: Die Prämien-Regionen im Kanton Bern sind pro Postleitzahl definiert. zvg BAG/ETH

Wer weniger Gesundheitskosten verursacht, soll tiefere Krankenkassenprämien zahlen. Dieser an sich unbestrittene Grundsatz findet Niederschlag in den drei unterschiedlich teuren Krankenkassen-Prämienregionen des Kantons Bern. Alle Gemeinden sind in diesem Raster eingeteilt.

Jetzt allerdings machen Grossrat Lars Guggisberg (SVP) und drei Mitunterzeichner politisch Druck mit einer Motion. Sie verlangen, die Einteilung sei zu überprüfen, vor allem an den Rändern der Regionen. «Da sind zum Beispiel die kleinen ländlichen Gemeinden Oberbalm oder Vechigen in der gleichen Kategorie wie die Stadt Bern. Das kann es ja nicht sein», sagt Lars Guggisberg.

Wunderliche Ungereimtheiten

Die Liste der Prämienregionen 2014 des Bundesamtes für Gesundheit zeigt tatsächlich Zuteilungen, die schwer zu verstehen sind. Rüegsau in der billigsten Region 3, Hasle auf der anderen Seite des Bahnhofs in der Region 2.

Spiez in der Kategorie 3 wie praktisch das ganze Oberland. Die Bevölkerung auf der anderen Seeseite inklusive der Berggemeinde Sigriswil müssen die höheren Prämien der Region 2 berappen. Für sie geht es um einige Hundert Franken Prämien mehr oder weniger. Viel Geld ist im Spiel für die Bevölkerung – und für die Krankenkassen.

Reformbedarf unbestritten

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Warten auf den Bund

«Wir sind tatsächlich daran, diese Prämienregionen zu überprüfen» sagt Helga Portmann, die Leiterin der Versicherungsaufsicht beim Innendepartement. Und dabei würden die Kantone natürlich angehört. «Wir werden demnächst eine Vernehmlassung machen. Sicher ist, dass es für die Prämien 2017 nicht reicht», so Helga Portmann.

«Die Prämienregionen sollen die Wirklichkeit der Kosten abbilden und müssen deshalb periodisch revidiert werden» sagt Daniel Wiedmer vom Krankenkassenverband Santésuisse grundsätzlich.

Und auch im Kanton Bern bestreitet niemand, dass eine Reform längst fällig ist. «Man sollte dann einfach die Prämienverbilligungen nicht aus dem Auge verlieren. Wenn man an den Prämienregionen schraubt, hat es einen Rattenschwanz von Folgen», gibt Annamarie Müller vom bernischen Spitalamt zu bedenken.

Mit der Antwort auf die Motion Guggisberg sei das Problem aber nicht gelöst. «Zuständig ist der Bund». Die gleiche Antwort gab die Regierung schon auf einen Vorstoss 2012. So gesehen nützt die Motion der vier SVP-Grossräte direkt nichts. Ausser dass sie den Druck aufrechterhält, wie die Berner Regierung beim Bund zu reagieren hat – wenn sie dann mal gefragt wird.

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