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Moderatoren «Schon als kleiner Bube war ich bei den Kämpfen dabei»

Während vier Stunden berichtet «Schweiz aktuell extra» vom nationalen Finale der Eringerrasse in Aproz VS. An der Seite der Wallis-Korrespondentin Ruth Seeholzer kommentiert der Fachmann Luzius Theler. Der Eringer-Experte erzählt zudem unbekannte Fakten zu dieser Schweizer Tradition.

Was haben sie für einen Bezug zu diesen Kuhkämpfen?

Luzius Theler: Ich habe verschiedenste wissenschaftliche Arbeiten darüber geschrieben. Vor allem aber sind die Eringer Kühe und die Kuhkämpfe eine Passion. Die Liebe zu diesen Tieren geht zurück bis in meine Kindheit. Ich komme aus den Walliser Alpen und habe es von Kindsbeinen an mitbekommen. Bereits als kleiner Junge war ich bei den Kühen, habe kleinere Aufgaben, zum Beispiel als Hilfshirte, bekommen. Bereits da begann eine tiefe Verbundenheit zu den Tieren. Zudem habe ich gute Freunde, die Züchter sind.

Was ist so speziell an diesen Kuhkämpfen?

Es wird in einem etwas künstlicheren Rahmen nachgestellt, was in der Natur auch geschieht: Die Kühe bestimmen die Königin der Herde. In natürlicher Weise geschieht das bei den Alpaufzügen. Dies sind immer die Momente, bei denen die Tiere die sogenannten Hack- und Pickordnungen innerhalb der Herde ausmachen. Dies kann sich über Tage hinziehen. Kühe sind gute Taktiker.

Hatten Sie selbst jemals Kühe?

Nein, die Betreuung dieser Tiere ist sehr zeitintensiv. Mit den unregelmässigen Arbeitszeiten meines Berufes als Journalist war die Haltung dieser Tiere unvereinbar. Ich bin aber diplomierter Viehhändler. Ich habe einmal zum Spass das Viehhändlerdiplom gemacht. Ganz im Gegensatz zu meinen anderen, offiziellen Ausbildungen, habe ich diese mit der Bestnote bestanden (lacht)!

Woher kommt diese Leidenschaft zu den Eringer Kühen?

Wie in jeder Situation, bei der es um Gewinnen und Verlieren geht, ist eine gewisse Spannung dabei. Die Besitzer investieren sehr viel Zeit und Liebe in die Tiere. Die Verbundenheit zwischen Mensch und Kuh ist sehr eng. Wenn eines ihrer Tiere verletzt ist, scheuen die Besitzer weder Kosten noch Mühe, um sie zu heilen. Eines ihrer Tiere zu verlieren ist schlimm für sie. Viehzüchter weinen, wenn der Metzger kommen muss.

Woher kommen die Emotionen?

Auf der hintersten Alp die Königin zu haben ist auch ein Prestige. Durch die intensive Pflege der Tiere kennt man sie sehr gut. Jede Kuh hat einen Namen. Man weiss, wie die Mutter oder sogar die Grossmutter gekämpft hat.

Die Kämpfe sind hochemotional. Zum Teil sind die Kämpfe sogar Stellvertreterkonflikte. Das heisst, manchmal werden Konflikte der Besitzer durch deren Tiere ausgetragen.

Wie lange sind Sie schon dabei und wie sind Sie dazu gekommen?

Schon als kleiner Bube war ich bei den Kämpfen dabei, also seit über 60 Jahren. Auf der Alp gehört das dazu. Eng verfolge ich die Kämpfe seit 50 Jahren.

Was war ihr einschneidenstes Erlebnis im Zusammenhang mit den Walliser Königinnen?

Einer meiner Freunde, der Züchter ist, ging nach einem Jahr, nachdem er seine Kuh verkauft hatte, zum Verkäufer zurück und rief die verkaufte Kuh beim Namen. Da kam die Kuh auf der Stelle angerannt. Das hat mich sehr beeindruckt. Das hätte ich einem Hund zugetraut, aber nicht einer Kuh. Es zeigt die enge und symbiotische Beziehung der Besitzer zu deren Tieren. Mein befreundeter Züchter hat die Kuh gleich wieder zurückgekauft.

Zur Person

Porträt von Luzius Theler.

Luzius Theler ist frisch pensioniert und war sein Leben lang Journalist. Als stellvertretender Chefredaktor des Walliser Boten war er stets eng mit seinem Kanton verbunden. Nach seiner Pensionierung schreibt Theler noch immer – aktuell vor allem als Wallis-Korrespondent bei der NZZ.

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