Lukas Bärfuss erklärt sein Verhältnis zu Thun

In seinem Buch «Koala» lässt der in Thun aufgewachsene Schriftsteller Lukas Bärfuss kaum ein gutes Haar an der Stadt seiner Jugend. Bei der Verleihung des Thuner Kulturpreises sagte er aber: «Der Mief ist weg. Alles ändert sich mit den Jahren.» Und erklärt damit ein etwas kompliziertes Verhältnis.

Lukas Bärfuss im Profil am Rednerpult anlässlich der Thuner Kulturpreisverleihung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schriftsteller Lukas Bärfuss las nicht nur in Thun - er erklärte auch sein Verhältnis zu der Stadt seiner Jugend. SRF

Vordergründig liess sich das zahlreiche Thuner Kulturpublikum die Vorfreude auf die Kulturpreisverleihung 2014 nicht verderben. Immerhin stand als Träger des Grossen Kulturpreises der in Thun aufgewachsene Schriftsteller Lukas Bärfuss im Rampenlicht.

Aber gespannt war man schon, wie er sich zu seinem Verhältnis zu seiner Heimatstadt äussern würde.

In seinem neuesten Buch «Koala» hatte sich der Autor nämlich wenig schmeichelhaft über Thun geschrieben und das hatte ihm das Thuner Tagblatt in einer Kolumne des früheren Chefredaktors unter die Nase gerieben. Aber es kam anders.

Unerwartet versöhnlich

Lukas Bärfuss bedankte sich für den Grossen Thuner Kulturpreis mit einer veritablen Liebeserklärung. «Dort, wo jetzt Computer verkauft werden, gab es früher Brot. Nur das Grabstein-Atelier ist noch am gleichen Ort. Alles ändert sich mit der Zeit. Und der, der immer weg wollte, kommt heute gerne zurück.»

Das Kulturpublikum dankte es ihm mit Rührung und Applaus. «Ach was, ich habe doch eine grosse Zuneigung zu Thun, da musste ich nichts erfinden. Die Stadt ist nicht mehr die Stadt der Achtzigerjahre», sagte der Autor im Gespräch nach der Preisverleihung.

Dass die Aussagen im Buch und jene an der Kulturpreisverleihung nicht zusammenpassen, stimmt für den Schriftsteller. «Kultur ist manchmal ungerecht, der subjektive Ausdruck einer Empfindung. Literatur lässt sich nicht lesen wie ein Zeitungsartikel.»

Der Dirigent liess das Publikum singen

Ein Höhepunkt des Abends im Kultur- und Kongresszentrum war auch der Auftritt des mit dem «Kulturstreuer» geehrten Thuner Dirigenten und Kulturvermittlers Rolf Wüthrich. Binnen Minuten sang der ganze Saal zusammen mit dem Kirchenchor Heimberg höchst vergnügt den Spontan-Kanon «Kulturstreuer Salz und Pfeffer».

Mit Kulturförderungs-Preisen ausgezeichnet wurden schliesslich die junge bildende Künstlerin Karen Moser aus Thun und der zurzeit in Chicago ansässige Wattenwiler Jazzgitarrist Samuel Mösching.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 06:32/17:30 Uhr