Mano Khalil: «Heimat ist dort, wo man ruhig einschlafen kann»

Der aus Syrien stammende Regisseur kann nicht mehr in seine kurdische Heimat zurückkehren. Er hat in Bern eine neue Heimat gefunden. Und kämpft mit der Filmkamera nicht nur gegen Gewalt, sondern vor allem auch für mehr Menschlichkeit. Jetzt mit seinem ersten Spielfilm «Die Schwalbe».

Mano Khalil ist nicht nur stolz, dass er seinen ersten Spielfilm fertiggestellt hat. Er freut sich auch, dass «Die Schwalbe» am Donnerstag die Solothurner Filmtage eröffnen wird. Und ist gleichzeitig auch nervös, weil die ganze Prominenz - angeführt von Bundesrat Alain Berset - dabei sein wird.

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Mano Khalil wurde 1964 in syrisch Kurdistan geboren. Er studierte in Damaskus und an der Film- und Fernsehakademie in Bratslava. Seit Ende der 1990er Jahre ist er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Bern tätig. Bekannt sind seine preisgekrönten Dokumentarfilme «Unser Garten Eden» (2010) und «Der Imker» (2013). Er lebt in Bern-Bümpliz.

Ob es ein Spielfilm oder ein Dokumentarfilm ist, spielt ihm dabei keine grosse Rolle, erzählt er als Sonntagsgast im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Wenn eine Geschichte die Realität wiederspiegle, «dann ist es mir völlig egal, ob es eine von mir geschriebene Fiktion oder eine von mir gedrehte Realität ist».

Seine Geschichten haben sehr viel mit ihm selbst zu tun. Und sie sind nicht einfach nur schön, sondern zeigen auch die Realität der Gewalt: «Ich kann keine rosarote Brille tragen.» In der Welt und in seiner kurdischen Heimat gebe es eine Realität, «die leider im Moment sehr tragisch ist».

Wo ist Khalils Nest?

In Film «Die Schwalbe» schickt er eine junge Berner Fotografin auf die Suche nach ihrem Vater und ihren Wurzlen in den irakischen Teil Kurdistans. Im Film heisst es, dass Schwalben immer in ihr Nest zurückkehren. Das tut auch die junge Bernerin, geläutert und desillusioniert durch die Realität des Lebens.

Welches aber ist das Nest Mano Khalils, der eine Rückkehr in seine syrische Heimat ausschliesst? Im Gespräch sagt er, Heimat sei für ihn dort, wo er gut einschlafen und in Sicherheit schlafen könne. Seit 17 Jahren wohnt er in Bümpliz, in einem durchaus multikulturell geprägten Stadtteil Berns.

«Ich habe gewonnen»

Hier erlebt er, dass Integration ein Nehmen und Geben sein muss und man nicht einfach nur den Apfel vom Baum pflücken könne: «Es tut mir leid, wenn junge Menschen hierhin kommen und etwas aufbauen könnten, dies dann aber schief geht.» Er selber ist stolz, dass das syrische Regime ihn nicht von seinem Weg abbringen konnte: «Ich habe gewonnen», habe er kürzlich zu seiner Frau gesagt, «Assad wollte mich wegschmeissen und Toiletten putzen lassen. Das habe ich zwar getan, aber ich habe vor allem auch meine Filme weitergemacht.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)