Mehr Kompetenzen für Pflegefachpersonen im Kanton Bern

Kantonsarzt Jan von Overbeck schlägt vor, dass Pflegefachpersonen mit Masterabschluss einfachere Krankheiten und Verletzungen selber abklären und behandeln. So will er dem Hausarztmangel entgegenwirken.

Krankenschwestern legen einen Patienten auf den Computertomografen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pflegefachpersonal mit Masterabschluss soll mehr Kompetenzen erhalten. (Symbolbild) Keystone

Für den bernischen Kantonsarzt Jan von Overbeck ist es die Lösung, um den Mangel an Hausärzten auszugleichen. Pflegefachpersonen mit Masterabschluss, sollen mehr Kompetenzen erhalten - gesetzlich geregelt. «Vor allem bei chronisch Kranken ist das eine gute Lösung. Sie erhalten die Diagnose weiterhin vom Arzt - zum Beispiel Diabetes. Aber dann kann ebenso gut eine Pflegefachperson die Fusspflege, die Ernährungsberatung oder die Anleitung zum Sport machen oder begleiten.»

«  Mit der Aufteilung der Betreuung können Qualität und Kosten positiv beeinflusst werden »

Jan von Overbeck
Kantonsarzt

Man müsse die Betreuung der chronisch Kranken aufteilen. So könne sowohl die Qualität gesteigert, wie auch die Kosten gesenkt werden.

Im Kanton Bern laufen laut einem Bericht der Zeitung «Der Bund» mehrere Pilotprojekte, in denen Pflegefachpersonen mit Masterabschluss nicht nur pflegerische Tätigkeiten in Eigenverantwortung durchführen, sondern auch gewisse medizinische Versorgungen. So zum Beispiel am Inselspital Bern in der Behandlung chronisch kranker Krebspatienten oder im Gesundheitszentrum Schüpfen.

Juristisch im Graubereich

Die Pflegefachpersonen übernehmen laut Cornelia Klüver schon heute medizinische Versorgungen. Klüver ist Präsidentin Sektion Bern des Schweizerischen Berufsverbandes der Pflegefachpersonen.

Aber bisher sei dies nicht gesetzlich geregelt. «Und deshalb können die Pflegefachpersonen die Leistungen auch nicht richtig verrechnen.» Was dazu führe, dass Pflegefachfrauen mit Masterabschluss nicht kostendeckend arbeiteten und quersubventioniert werden müssten.

«  Es braucht Pflegefachpersonen mit mehr Kompetenzen und mehr Hausärzte. Das ist keine Konkurrenz. »

Cornelia Klüver
Präsidentin Sektion Bern der Pflegefachpersonen

Dass Pflegefachfrauen mit mehr Kompetenzen die Hausärzte konkurrenzieren, glaubt Cornelia Klüver nicht. «Im Gegenteil. Bei der demografischen Entwicklung in der Schweiz ist es klar, dass es beide Bereiche braucht.» Und eine klare Zuweisung von Aufgaben und Kompetenzen könne die Attraktivität des Pflege- und des Arztberufes steigern.

Ein zu langer Weg?

Für Klüver wäre es wünschenswert, dass die Kompetenzverschiebung möglichst rasch geschehen würde. Allerdings will das Bundesparlament im neuen Gesetz über die Gesundheitsberufe wie bisher nur die Tätigkeiten in der eigentlichen Pflege gesetzlich regeln und nicht jene im Pflege-Masterstudium.

Trotzdem ist Kantonsarzt Jan von Overbeck überzeugt, dass der Kanton Bern den Prozess beschleunigen kann - mit einer breit angelegten Studien und mehreren Pilotprojekten. «Wenn wir gute Beispiele haben, gute Daten, dann hilft das sehr, um auf politischer Ebene einen Vorstoss zu machen.»

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