Minigolf-Schweizermeisterschaft: In Bern wird eingelocht

An den Einzel-Schweizermeisterschaften im Minigolf spielen rund hundert Spielerinnen und Spieler um den Meistertitel in sieben Kategorien. Auch zwei Berner machen sich Hoffnungen auf Medaillen.

In der Woche vor den Einzel-Schweizermeisterschaften herrscht Dauerbetrieb auf der Minigolfanlage Waldau bei Bern. Von den insgesamt 550 lizensierten Spielerinnen und Spielern der Schweiz haben sich 95 für die diesjährigen Schweizermeisterschaften qualifiziert. Dass man sich für den Grossanlass eine Woche Ferien nimmt, um sich an die Bahnbedingungen zu gewöhnen, gehört für ambitionierte Minigolfspieler dazu.

«Wir reisen bei jedem Turnier früher an um alle 18 Löcher durchzuspielen und uns die Bahnen einzuprägen», sagt Michel Gadenz. Der 20-jährige Berner gehört knapp ein Jahr nach seiner Juniorenzeit zu den Anwärtern für den Schweizermeistertitel. Um dieses Ziel zu erreichen, trainiert er drei Mal pro Woche jeweils bis zu fünf Stunden. «Der Aufwand ist nötig, um mit der Konkurrenz mitzuhalten», sagt der Minigolfer. Und die Konkurrenz ist stark. So spielt an der diesjährigen Schweizermeisterschaft der Herren unter anderem der amtierende Europameister Reto Summer aus Burgdorf mit.

«  Die Konzentration beim Abschlag, das richtige Tempo und der Bandenpunkt, an dem der Ball aufschlägt, müssen stimmen. »

Remo Gadenz
Medaillenanwärter bei den Senioren

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Die Minigolfbahn Waldau

Die Minigolfbahn Waldau bei Bern wurde 1983 auf dem Gelände der psychiatrischen Universitätskinik eröffnet. Als Teil der Therapie von psychisch Kranken hat man die Patienten bis zur Privatisierung 2001 im Minigolf-Betrieb arbeiten lassen.

Noch heute gehört der Kontakt zu Patienten zum Minigolfspielen auf der Anlage Waldau mit dazu.

Die Leidenschaft für Minigolf hat Michel Gadenz zur gleichen Zeit wie seinen Vater gepackt. Der 49-jährige Remo Gadenz begann 2009 mit dem Sport. Unterdessen gehört er zu den Medaillenanwärtern bei den Senioren. «Die Konzentration beim Abschlag, das Gefühl für die Geschwindigkeit und der Bandenpunkt, an dem der Ball aufschlägt, sind das Wichtigste», erklärt Remo Gadenz. «Wenn das alles stimmt und man das richtige Material gewählt hat, geht der Ball ins Loch.»

Die Wissenschaft des Materials

Im Gegensatz zum Golf ist beim Minigolf nicht die Auswahl der Schläger zentral, sondern die Wahl der Bälle. «Es gibt unzählige verschiedene Bälle. Alleine auf der ersten Bahn könnte man 200 unterschiedliche Bälle einsetzen», sagt Remo Gadenz.

Jeder Ball unterscheidet sich in der Oberflächenstruktur, dem Gewicht, der Härte, dem Tempo und vor allem in der Sprunghöhe. Diese messen die Minigolfer jeweils vor dem Abschlag, in dem sie den Ball auf die Bahn fallen lassen und schauen, wie hoch er zurückspringt. Alle diese Faktoren werden von der Temperatur beeinflusst. Um diese zu regulieren, verwenden die Spieler verschiedene Methoden.

«  Die Spieler proben die Temperatur der Bälle solange, bis sie für jede Bahn den richtig temperierten Ball haben. »

Remo Gadenz
Medaillenanwärter bei den Senioren

«Einige nehmen zum Beispiel einen Eisbeutel in die Spieltasche und legen die Bälle zum kühlen darauf», erklärt Remo Gadenz. Andere hätten sogar spezielle Minigolfballboxen mit separat temperierbaren Kammern. «Vor dem Turnier probt jeder Spieler die Temperatur seiner Bälle so lange, bis er für jede Bahn den richtig temperierten Ball für sein Spiel gefunden hat.» Dabei ist jedes Hilfsmittel erlaubt, solange man einen lizensierten Ball fürs Spiel verwendet.

Ob die beiden Berner Michel Gadenz und Remo Gadenz für ihre Partien die richtigen Bälle gewählt haben, entscheidet sich am Sonntag dem 24. Juli. am Finale der diesjährigen Minigolf Einzel-Schweizermeisterschaften in Bern.