Mit Flüchtlingen aus aller Welt an der Berufsmesse

Im Forum Freiburg in Granges-Paccot findet von Mittwoch bis Sonntag die Berufsmesse «Start» statt. Gedacht vor allem für Schüler der 7. und 8. Klasse, gibt sie auch jungen Flüchtlingen einen Überblick über das Schweizer Berufssystem.

80 Unternehmen und Berufsverbände stellen bis am Sonntag rund 220 Berufe vor. Die junge Kongolesin Marlyse lässt sich gerade über den Beruf «Zugbegleiterin» informieren. «Das scheint cool zu sein, ich kannte den Beruf nicht. Ich werde mich für eine Lehrstelle bewerben.»

Marlyse ist seit elf Jahren in der Schweiz und hat auch die obligatorische Schule hier gemacht. Erste Berufserfahrung sammelte sie in Praktika, eine Lehrstelle hat sie bisher aber noch nicht gefunden.

Gut für die Kantonsfinanzen

Damit ist sie nicht allein: Flüchtlinge hätten es schwer, eine Lehrstelle oder einen Job zu finden, sagt Etienne Guerry vom kantonalen Sozialamt. «Häufig wissen die Arbeitgeber gar nicht, dass die Leute wirklich arbeiten dürfen.» Seit 2007 dürfen nämlich auch vorläufig aufgenommene Flüchtlinge arbeiten.

Der Kanton hat Interesse daran, Flüchtlinge möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aus humanitären Gründen, sagt Etienne Guerry, aber auch aus finanziellen: «Es ist für uns wichtig, dass sie eine Ausbildung und eine Arbeit haben, um unabhängig von der Sozialhilfe zu sein.»

«Jetzt möchte ich irgendwie etwas anderes machen»

Im Kanton Freiburg arbeiten etwa 40 Prozent der Flüchtlinge, die in der Schweiz bleiben dürfen, da eine Abschiebung zum Beispiel wegen Krieg nicht zumutbar ist. Auch die Irakerin Shahad war eine von ihnen. Nach einem Praktikum im Bereich Sozialpädagogik begann sie eine Lehrstelle als Pharma-Assistentin, die sie jedoch nach einem Jahr abgebrochen hat.

Nun wollte sie eigentlich Hochbauzeichnerin lernen, aber nach dem Besuch an der Berufsmesse ist sie plötzlich nicht mehr sicher. «Wenn ich alle diese Berufe anschaue habe ich Lust, etwas anderes zu machen.» Shahad geht es gleich wie vielen anderen Jugendlichen, die nicht als Flüchtlinge in die Schweiz kamen.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)