Nach Tragödien: Was tun Behörden und was die Dorfgemeinschaft?

Daillon im Wallis - was können die Vormundschaftsbehörden tun, um solche Fälle zu verhindern? Schafhausen im Emmental - was hat der Mord an einem Polizisten vor bald zwei Jahren dort im Dorf ausgelöst?

Das Tötungsdelikt in Daillon wirft viele Fragen rund um das Vormundschaftswesen auf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Tötungsdelikt in Daillon wirft viele Fragen rund um das Vormundschaftswesen auf. Keystone

Am Montag haben Trauerfeiern für zwei der drei Todesopfer des Amoklaufs in Daillon im Wallis stattgefunden. Mehrere hundert Personen haben in der Kathedrale von Sitten an einer Trauerfeier für eines der Opfer teilgenommen. Zahlreiche weitere Personen zeigten ihre Anteilnahme für ein weiteres Opfer in der Kirche von Erde. Am Dienstag wird die Trauerfeier für das dritte Opfer stattfinden.

Wie umgehen mit isolierten Personen?

Noch immer stellen sich viele Fragen. Vor allem, wie Behörden mit solchen Menschen wie dem Schützen umgehen. Der 33-Jährige wuchs im Dorf Daillon im Unterwallis auf. Er hatte aber kaum sozialen Kontakt und kapselte sich immer mehr ab. Der IV-Bezüger hat einen Vormund.

Wie in allen anderen Kantonen auch gilt im Wallis seit Anfang Jahr das neue Betreuungsgesetz. Im Wallis ändert sich damit viel. Bisher wurden hilfsbedürftige Personen von Leuten betreut, die dafür nicht ausgebildet waren. Neu werden die Aufgaben von Fachleuten wahrgenommen.

Auch in Zukunft möglich

Trotz der Professionalisierung: Solche Dramen wie in Daillon sind auch in Zukunft möglich. «Solche Fälle lassen sich nicht ausschliessen», sagt die Verantwortliche für das Vormundschaftswesen im Oberwallis, Doris Vogel. Die Betreuer könnten anvertraute Personen nicht rund um die Uhr betreuen. Ihnen fehle die Zeit, so Doris Vogel.

Ein Betreuer ist für rund 80 Personen zuständig. Da bleibt pro Woche für jede Person höchstens eine halbe Stunde. Derzeit sind im Oberwallis 290 Personen bevormundet, was rund ein halbes Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht.

«Die Angehörigen gut betreuen»

Die Gemeinde Hasle bei Burgdorf hat vor bald zwei Jahren Ähnliches erlebt, als ein Dorfbewohner von Schafhausen einen Polizisten erschoss. Gemeindepräsident Walter Scheidegger sagt, wichtig sei nach einem solchen Ereignis, dass man sich um die Angehörigen kümmere: «Dass man zu ihnen geht, sie aufmuntert und sie motiviert, wieder am Dorfleben teilzunehmen, zum Beispiel in Vereinen.»

Total isolierte Menschen kenne er in den Dörfern von Hasle nicht, sagt Gemeindepräsident Walter Scheidegger. Aber ausschliessen, dass etwas passiert, könne man nie. «Wenn man wüsste, dass etwas passieren wird, könnte man etwas tun dagegen.»