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Legende: Audio Billiger Stimmenfang oder politisches Kalkül? Das sagen die Freiburger Parteien abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.06.2019.
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Nationalratswahlen Freiburg Die List mit den Listen

Immer mehr Parteien verbinden ihre Hauptlisten mit weiteren eigenen Listen. «Eine gute Taktik», sagt der Politologe.

Die Bevölkerung des Kantons Freiburg wählt im Herbst 2019 sieben Nationalrätinnen und Nationalräte. Dabei ist die Auswahl gross. SP und CVP präsentieren ihre Kandidatinnen und Kanditaten auf je fünf Listen. Bei FDP und SVP kommt dies nicht gut an. Die beiden Parteien kandidieren je mit zwei Listen. Aus ihrer Sicht brauche es keine «Pseudo-Listen». Anders sieht es der Politologe Nenad Stojanović. Er forscht zu Schweizer Politik und hat die Freiburger Wahlen analysiert.

Nenad Stojanović

Nenad Stojanović

Politologe

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Nenad Stojanović ist Politologe an der Universität Genf. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Politiktheorie, der Vergleichenden Politk und der Schweizer Politik.

SRF News: Eine Hauptliste, eine Juso-Liste, dazu eine Liste für Auslandschweizer, Migranten und eine für über 60-Jährige. Machen diese vielen Listen bei der SP Freiburg Sinn?

Nenad Stojanović: Das ist eine gute Taktik. Die Besonderheit des Schweizer Wahlsystems erlaubt dies. In der Regel hat eine Liste im Kanton Freiburg sieben Plätze. Mit den fünf Listen erhöht sich die Zahl der Kandidierenden auf 35.

Die Mutterpartei kann so insgesamt mehr Stimmen holen.

Jeder Kandidat, jede Kandidatin hat eigene Freunde und Verwandte im Kanton Freiburg. Am Schluss zählt jede Stimme für die Hauptliste – so kann die Mutterpartei punkten.

Machen die anderen Parteien mit nur einer oder zwei Listen einen Fehler?

Ich würde nicht sagen, dass sie einen Fehler machen. Aber sie nutzen die Möglichkeit des Proporz-Wahlsystems und der Listenverbindungen nicht völlig aus. Sie präsentierten sich den Wählerinnen und Wählern nicht als eine breit gefächerte Partei.

Für fünf Listen braucht es genug Kandidierende. Ist der Aufwand für gewisse Parteien einfach zu gross?

Ja, das ist sicher nicht einfach. Vor allem auch, weil kleine Listen wie etwa die vier Junglisten der CVP vor allem der Hauptliste helfen und die Kandidierenden selber kaum Wahlchancen haben. Das ist auch den Wählerinnen und Wählern nicht unbedingt bekannt.

Könnte man denn sagen, das Wahlvolk wird mit den vielen Listen in die Irre geführt?

So weit würde ich nicht gehen. Ich gehe davon aus, dass diejenigen, die schlussendlich an die Urne gehen, das Wahlsystem kennen. Aber es wäre vielleicht gut, in der Wahlbroschüre den Mechanismus der Listenverbindungen genauer zu erklären.

So funktionieren Listenverbindungen

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Bei den Nationalratswahlen gilt das Proporzwahlrecht. Dabei können die Parteien entscheiden, ihre Listen miteinander zu verbinden. Das führt dazu, dass sie bei der Auszählung wie eine Einheit behandelt werden. Erst im zweiten Schritt werden die Sitze auf die einzelnen Listen innerhalb der Listenverbindung verteilt. Diejenigen Kandidierenden, die innerhalb der Liste am meisten Stimmen erhalten haben, bekommen die Sitze.

Aber grundsätzlich finden Sie es gut, dass eine Partei die Möglichkeit hat, Unterlisten zu präsentieren?

Ja. Zudem gibt es da verschiedene Möglichkeiten. Die Parteien im Kanton Bern bevorzugen beispielsweise eher Männer und Frauenlisten. Im Wallis hat jede Partei sprachlich getrennte Listen, was im ebenfalls zweisprachigen Kanton Freiburg bis auf eine Ausnahme nicht der Fall ist.

Das Gespräch führte Patrick Mülhauser.

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