Oberwalliser Modell greift bei häuslicher Gewalt

Im Oberwallis gibt es kein Frauenhaus, sondern den Verein Unterschlupf. Der bringt gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder in Chalets und leeren Wohnungen unter.

Flyer des Vereins Unterschlupf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wohin bei häuslicher Gewalt? Der Verein Unterschlupf weiss, wohin. SRF

Diese dezentrale Beherbergungsstruktur ist in der Schweiz einzigartig. Und hat sich seit mehr als 20 Jahren bestens bewährt, sagt Caroline Stoffel im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Die Sozialpädagogin ist eine von drei Teamfrauen beim Verein Unterschlupf, der Frauen und Kinder betreut, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind.

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Anstieg von häuslicher Gewalt

Im Kanton Wallis haben Gewaltdelikte in den eigenen vier Wänden zugenommen. 2013 war die Kantonspolizei 243 Mal im Einsatz deswegen. So häufig wie noch nie, wie aus der neusten Polizeistatistik hervorgeht. Die Kantonspolizei führt den Anstieg unter anderem auf eine vermehrte Sensibilisierung zurück.

«Wir können eine Brigerin nicht in Brig unterbringen, das wäre zu riskant», glaubt Caroline Stoffel. Im kleinräumigen Oberwallis könne nur absolute Anonymität die Sicherheit der Opfer garantieren.

Nicht einmal Polizei kennt Aufenthaltsort

Der Verein Unterschlupf kann auf viele Freiwillige zurückgreifen, die leere Wohnungen im Talgrund und Chalets in den Bergen zur Verfügung stellen. Falls sie gebraucht werden, zahlt der Verein eine Entschädigung.

Die Frauen müssen einen Vertrag unterschreiben und versprechen, ihren Aufenthaltsort niemandem bekannt zu geben. Nicht einmal die Walliser Kantonspolizei kennt die Wohnungen.