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Von der langjährigen Strategie bis zum neuen Hotel-Konzept
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Palace-Hotel Mürren Das Grand Hotel zum Schnäppchen-Preis

Der Verkaufspreis des Palace-Hotels war lange ein gut gehütetes Geheimnis. Bis das Regionaljournal Druck machte.

Neue Besitzerin des Palace-Hotels in Mürren ist die Palace Avenir AG. Die Firma gegründet haben neben Einheimischen auch auswärtige Liegenschaftsbesitzer, die in Mürren ihre Ferien verbringen.

Unter ihnen der Freiburger Unternehmensberater Peter Wirth, der Oberaargauer Architekt Stephan Anliker oder Thomas Baumann vom alten Tramdepot in Bern.

Viel gibts nicht in Mürren zu diesem Preis

Die Palace Avenir AG musste für das Hotel, die Dependance und das Personalhaus zusammen 351'000 Franken bezahlen. Ein Schnäppchen, wie ein Blick in die Datenbank der Immobilienverwalterin IAZI zeigt. Gemäss deren Angaben kann zu diesem Preis in Mürren ein Grundstück mit 350 Quadratmetern gekauft werden. Eine attraktive 2,5-Zimmer-Wohnung mit rund 65 Quadratmetern kostet um die 450'000 Franken.

Erfolg für das Öffentlichkeitsprinzip

Das für den Verkauf zuständige Konkursamt wollte den Verkaufspreis des Palace-Hotels auf Nachfrage des «Regionaljournals» nicht bekanntgeben. Eine Beschwerde beim bernischen Obergericht war nötig. Dieses hiess die Beschwerde im Mai teilweise gut.

Es bestehe in diesem konkreten Fall durchaus ein öffentliches Interesse, so das Obergericht. Der Informationszugang sorge für Transparenz, was eine demokratische Kontrolle durch das Volk erst ermögliche. Für das Öffentlichkeitsprinzip sprach für das Obergericht auch, dass es sich beim «Palace» um ein historisches Luxushotel handelt, das die Region und den dortigen Torusmus miträgte. Entsprechend bestehe zumindest regional ein öffentliches Interesse daran, wie das Konkursverfahren voranschreitet und wie es mit dem Luxushotel weitergeht.

Laut dem Obergericht besteht auch ein Interesse an der Veröffentlichung des Kaufpreises, um Transparenz zu schaffen und allfälligen Spekulationen zu begegnen.

Beim Geschäft zwischen dem kantonalen Konkursamt und der Palace Avenir AG handelt es sich nicht um ein beliebiges Haus. Es ist das älteste Palace-Hotel der Schweiz. Seit der Belle Epoque hat es im Berner Oberland Geschichte geschrieben; mal positiv, mal negativ.

Viele Jahre galt das «Palace» als das modernste Hotel im Berner Oberland, ausgerichtet auf eine gut betuchte Klientel aus England. Es zog auch immer wieder viel Prominenz an. Zum Beispiel den britischen Feldmarschall Montgomery. Prunkstück des Hotels war ein Ballsaal für 350 Personen. Er war das gesellschaftliche Zentrum des Kurorts.

Der schleichende Niedergang

Wann genau der Niedergang des Grand-Hotels einsetzte ist schwer zu sagen. Zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren wechselte das Haus immer wieder den Besitzer. Einer von Ihnen war der ehemalige Präsident des FC Basel, René C. Jäggi. Die Entscheide, die Jäggi gegen Ende des letzten Jahrhunderts mitfällte, prägen noch heute die wirtschaftliche Situation des Hauses. Um an neues Kapital zu kommen, bedienten sich Jäggi und seine Mitstreiter dem «Timesharing».

Das Problem: Ferien auf Zeit

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Es geht um das sogenannte «Timesharing». Das heisst, dass meist Engländer und Deutsche sich das Recht kauften, jährlich für eine bestimmte Zeit im Palace-Hotel Ferien zu machen. Um sich dieses Recht abzusichern, wurde für die «Timesharer» im Grundbuch eine allumfassende Nutzniessung eingetragen. Diese hatte zur Folge, dass den künftigen Liegenschaftsbesitzern nur die Kosten blieben, die Erträge wurden jedoch durch die Nutzniessung abgeschöpft.

Die Nutzniessungen lagen zuletzt bei der «Palace Mürren Title Ltd», einer britischen Briefkastenfirma. Um an die Nutzniessung heranzukommen, kauften die neuen Palace-Besitzer gleich die ganze Firma auf. Nach eigenen Angaben für 1,7 Millionen Franken. Nun sind Nutzniessung und Liegenschaft im selben Besitz.

Seit 2008 ist das Palace-Hotel geschlossen. Letzte Besitzerin war die Kasachin Svetlana Kan. Unter ihr ging das «Palace» denn auch im Februar 2013 in Konkurs.

Nach mehrjährigen juristischen Streitigkeiten sollte das Hotel, die dazugehörende Dependance und das Personalhaus im Juli 2018 öffentlich versteigert werden. Es wurde ein Mindestgebotspreis von einer Million Franken festgesetzt. Damit wollte das Konkursamt mindestens seine Kosten decken, die wegen der mehrjährigen Verwaltung aufliefen.

Zurück bleibt ein Berg Schulden

Weil die Steigerung erfolglos blieb, kam es schliesslich zum Freihandverkauf an die neue Besitzerin, die Palace Avenir AG, für 351'000 Franken. Mit diesem Erlös sehen die Gläubiger kein Geld. Es ist auch davon auszugehen, dass der Kanton für seine Aufwendungen in den letzten Jahren kaum entschädigt wird.

Der amtliche Wert der Liegenschaft beträgt gemäss aktuellem Kaufvertrag 4,2 Millionen Franken. Auf den drei Gebäuden liegt jedoch besagte Nutzniessung. Deshalb ergab sich bei der konkursamtlichen Schatzung auf dem Papier ein Negativwert von rund 3,8 Millionen Franken.

(SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32 Uhr)

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