Polemik um Ehrendoktortitel der Universität Freiburg

Die philosophische Fakultät vergibt einen Ehrendoktortitel an die amerikanische Philosophin Judith Butler. Sie hat mit ihren feministischen Theorien international für Aufmerksamkeit gesorgt. Konservative Katholiken sind entrüstet.

Die Philosophin Judith Butler in einem Porträt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die amerikanische Philosophin Judith Butler polarisiert. Keystone

Die Amerikanerin Judtih Butler sieht den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht rein biologisch, sondern auch gesellschaftlich. Laut Butler sind die Kategorien männlich und weiblich keine unausweichlichen Absolutheiten, sondern Wiederholungen von Sprechakten. Und die 58-jährige setzt sich ein für Homosexuelle.

Guido Vergauwen, Rektor der Universität Freiburg, hat Dutzende böse Mails erhalten. Besorgte Katholiken sehen ihr Bild der traditionellen Familie gefährdet. Dass ausgerechnet die katholische Universität Freiburg eine Frau wie Judith Butler auszeichnet, ärgert sie. «Die Universität ist rechtlich getrennt von der Kirche», argumentiert Guido Vergauwen. Zudem sei die philosophische Fakultät frei, wem sie die Ehre verleiht.

Bischof soll Messe absagen

Auch Charles Morerod, Bischof der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg, hat erboste Post erhalten. Er solle die Messe am Dies academicus der Universität Freiburg absagen. Damit würde man alle anderen Gläubigen strafen, schreibt der Bischof in einer Mitteilung. Zudem wolle er sich nicht in die Angelegenheiten der Universität einmischen. Wie Morerod sagte, würde er auch eine wissenschaftliche Tagung zum Thema Geschlechterforschung an der Universität begrüssen.

Kein Verständnis für die Kritik

Bei Barbara Hallensleben, Theologieprofessorin an der Universität Freiburg, löst die Kritik an Judith Butler Kopfschütteln aus. Die Gender-Frage sei mit der Schöpfungslehre durchaus vereinbar, findet sie. «Welche politischen und gesellschaftlichen Einflüsse gibt es auf das Rollenverständnis von Mann und Frau?». Das seien auch theologische Fragen. Butler übe zudem grundsätzlich Machtkritik. «Sie fragt sich, wie frei wir wirklich sind, als Mann und Frau zu handeln». Gewalt werde nicht nur durch Waffen ausgeübt, habe Judith Butler entdeckt. Sondern auch intellektuelle Konzepte würden Menschen einengen, frei zu denken. Solche Überlegungen seien wichtig, findet die Theologin der Universität Freiburg.