Rote Köpfe wegen Walliser Wolf auf Berner Seziertisch

Berner Forscher untersuchen alle toten Wildtiere, welche geschützt sind – auch den Walliser Wolf aus Raron. Wolfsgegner verlangen, dass sich noch andere Forscher daran beteiligen.

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Bildlegende: Der Walliser Wolf wird derzeit bei -20 °C in einem schwarzen Plastiksack gelagert. Thomas Pressmann/SRF

Alle toten Wildtiere, welche geschützt sind, landen auf dem Seziertisch des Berner Tierspitals. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Veterinärmedizinerin Marie-Pierre Ryser untersucht die Tiere, seziert sie und schickt Proben an verschiedene spezialisierte Institute im In- und Ausland.

«Die Gruppe der Forscher ist sehr klein, ein Austausch mit ausländischen Wissenschaftlern wäre sehr wichtig», sagt Georges Schnydrig, Co-Präsident des Vereins «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere».

Die Walliser Wolfsgegner sind überzeugt, dass die Walliser Wölfe eine Mischung zwischen Wölfen und Hunden ist, sogenannte Hybriden. Gemäss Jagdgesetz müsste der Kanton die Tiere entfernen, sprich töten. «Experten haben uns bestätigt: Die Walliser Tiere haben zu lange Schwänze. Sie gleichen Schäferhunden.» Die Wolfsgegner möchten deshalb, dass sich nicht nur die Gruppe der Berner Wissenschaftler um den neusten Fund aus dem Wallis – einen gewilderten Wolf – kümmert.

«  Wir vertuschen nichts. »

Marie-Pierre Ryser
Veterinärmedizinerin

Tiermedizinerin Marie-Pierre Ryser von der Universität Bern betont, dass sie und ihre Leute die Tiere nach klaren wissenschaftlichen Kriterien untersuchen. «Wir arbeiten unabhängig und nach standardisierten Protokollen», sagt sie. «Wir haben kein Interesse, etwas zu vertuschen.»

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Bildlegende: Der Wolfskadaver, der an der Rhone gefunden wurde. SRF

Schliesslich wolle auch sie wissen, ob es sich beim Tier auf ihrem Seziertisch um einen Wolf oder einen Mischling handelt. «Wir sind Wissenschaftler und müssen uns um die Gesundheit der Tiere kümmern – da spielt die Frage Mischling oder nicht eine gewichtige Rolle.» Zudem untersuchen verschiedene Experten aus der Schweiz und dem Ausland die Proben der toten Tiere.

«  «Die Fakten sind klar: es sind Wölfe.» »

Reinhard Schnidrig
Bundesamt für Umwelt

Ist es nun aber möglich, dass die Wölfe im Wallis Mischlinge sind? «Die Fakten sind klar: es sind Wölfe», sagt Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt. Er verweist auf die verschiedensten Genanalysen.

«Wir können die Verwandtschaften über mehrere Generationen zurückverfolgen.» Die Argumente des Vereins «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere» seien scheinheilig. «Sie wollen die Wölfe ausrotten – mit welchen unbeholfenen Argumenten auch immer.»

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 6:32/17:30 Uhr)