Rudolf Strahm schaut den Mächtigen immer noch auf die Finger

Mit 71 Jahren ist Rudolf Strahm längst pensioniert. Doch der ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher kann es nicht lassen. In seinen Kolumnen kritisiert er mit spitzer Feder die Mächtigen des Landes. «Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen», sagt Strahm.

Rudolf Strahm kann auf eine lange Karriere zurückblicken: Fünf Jahre im Berner Kantonsparlament, 13 Jahre für die SP im Nationalrat, Preisüberwacher, Chemiker, Volkswirtschaftler, Ehrendoktor der Uni Bern, Publizist und Kolumnist. Mit 71 Jahren ist Strahm zwar längst pensioniert. Aber von seinem Haus aus in Herrenschwanden bei Bern schaut er den Mächtigen dieses Landes immer noch auf die Finger.

Egal ob Wirtschaftskapitän oder Bundesrat: «Ich bin zwar mit Hannes Schneider-Ammann gut befreundet», sagt Strahm im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF, «aber wenn der Bursche zu wenig macht, muss ich das halt einfach sagen.»

Sozialdemokrat mit bürgerlichen Wurzeln

Strahm hat in seiner politischen Karriere schon viele Kämpfe gefochten. «Das Rebellische ist wohl Teil meines emmentalischen Täufer-Erbes», erklärt er. Strahm wuchs im oberen Emmental mit fünf Geschwistern auf. Seine Familie zog nach Burgdorf und später absolvierte er in Basel eine Lehre als Chemiker. «Das war ein grosser Schritt für mich, das Emmental zu verlassen und nach Basel in die Grossstadt zu gehen.» Gegensätze seien aufeinander geprallt - und er mittendrin. Trotz seinen bürgerlichen Wurzeln engagierte er sich später in der Entwicklungspolitik und war Zentralsekretär der SP.

«Dass mich die SP schnitt, tat weh»

In politischen Fragen trat er aber regelmässig gegen seine Partei, die SP, an. Dies führte dazu, dass er nicht als Regierungsratskandidat aufgestellt wurde und auch ein Anderer als Chef der Bundeshausfraktion gewählt worden ist - obwohl Strahm jahrelang als einflussreichster SP-Politiker der Schweiz galt. Strahm: «Dass mich die SP schnitt, tat lange weh. Heute habe ich es verarbeitet.»