Schlössli Ins geht zu - und das Dorf reibt sich die Augen

Der Entscheid des bernischen Jugendamtes, das über 60-jährige Jugendheim Schlössli Ins zu schliessen, sorgt im Seeländer Dorf für Überraschung. Das Heim mit seinen vielen Liegenschaften gehört zum Dorfbild und zum Dorfleben - auch wenn sich die Institution den Respekt der Gemeinde erarbeiten musste.

Dass die Schliessung des Heimes und des Schulbetriebs auf Ende Schuljahr 2014 wahrscheinlich unabwendbar wird, sorgt im Dorf Ins für Verwunderung und Kopfschütteln. Dass sich die Stiftung der Gründerfamilie Seiler und der heutige Verein samt Heimleitung tiefgreifend verkracht hatten, war zwar gerüchteweise bekannt. Es ging dabei um grundsätzliche Fragen der Ausrichtung.

Das Schlössli Ins ist seit seiner Gründung im Jahr 1953 stark anthroposophisch geprägt und folgt der ganzheitlichen Reform-Pädagogik des Philosophen und Esoterikers Rudolf Steiner. Dass der Kanton die Schule nun schliesst, weil die Mitglieder des Vereins und der Heimleitung allesamt gekündigt haben und damit der Betrieb nicht mehr gewährleistet sei, ist für Ins allerdings eine herbe Überraschung.

«Das Schlössli gehört heute zum Dorfbild und zum Dorfleben von Ins. Da haben sich gerade in den letzten Jahren sehr viele gegenseitige Kontakte und Anlässe entwickelt, auch wenn sich die Schlössler den Respekt des Dorfes zuerst erarbeiten mussten», sagt Tildi Schmid, die Inser Dorf-Chronistin. «Es wäre sehr schade, wenn dies alles verloren gehen würde». Heute beherbergt das Schlössli rund 40 Kinder, für die der Kanton nun neue Plätze sucht. Früher waren es doppelt so viele, viele davon aus wohlhabenden Familien.

Schlössli und Bevölkerung haben sich gefunden

Allerdings war das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und dem Schlössli nicht immer so ungetrübt und innig. «Als ich zur Schule ging, wollte von den Einheimischen niemand etwas mit dem Schlössli zu tun haben. Und die vom Schlössli hatten sich ums Dorf auch nicht gekümmert. Aber Dorf und Schlössli sind seit einer Generation aufeinander zugegangen und heute funktioniert es gut», bestätigt auch Gemeindepräsident Urs Hunziker den Verlauf des ambivalenten Verhältnisses.

Was geschieht mit den Gebäuden?

Für die Gemeindebehörden war der Schliessungsentscheid des Kantons eine Überraschung. Es stehen ein paar Dutzend Arbeitsplätze auf dem Spiel und die Zukunft eines prägenden, markanten Dorfteils. Viele Häuser rund ums Schlössli im oberen Dorf gehören der Stiftung Schlössli Ins. «Die rund 20 Häuser sind sehr gut unterhalten, da wurden Schulräume, Unterkünfte und Werkstätten eingerichtet. Da sind wir sehr gespannt, was damit geht», sagt der Gemeindepräsident gegenüber dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF.

Ob die traditionsreiche, wegen ihrer besonderen Ausrichtung weit über Ins hinaus bekannte Institution Schlössli Ins doch noch gerettet werden kann, ist offen. Tanja Jakob, die Wirtin des benachbarten Restaurants zum Wilden Mann sagt es so: «Möglicherweise wird es hier oben plötzlich sehr still. Und dann merken wir vielleicht, was verloren gegangen ist.»

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