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Bern Freiburg Wallis Schwarzer Tag für Wirtschaftsstandort Biel

Das Solarenergie-Unternehmen Sputnik Engineering in Biel geht in Konkurs. Alle Rettungsversuche waren umsonst.

Der Firmensitz des Unternehmens in Biel.
Legende: Erst vor wenigen Jahren baute das Unternehmen einen grossen Firmensitz in Biel. SRF

Am Freitag soll die Bilanz beim Konkursrichter Biel-Seeland deponiert werden, wie das unter der Marke SolarMax bekannte Unternehmen mitteilte. «Wir haben alles getan, um das zu verhindern», sagt Firmengründer und Chef Christoph von Bergen. «Es ist ein sehr trauriger Tag.»

In Biel selber sind 175 Stellen betroffen, die sich auf rund 200 Arbeitnehmende verteilen.

Kein Ausweg aus den roten Zahlen

Im letzten Jahr habe man eine umfassende Restrukturierung durchgeführt, teilte das Unternehmen mit. Dabei verloren bereits rund 50 Mitarbeiter die Stelle. Dies habe aber nicht genügt, um den Verlust zu verkleinern. Schliesslich sei ein massives Abbau- und Restrukturierungsprogramm für 2015 durchgerechnet worden. Doch auch dies hätte nicht gereicht, um wieder die Gewinnschwelle zu erreichen. Um einen Käufer oder Partner zu finden, seien in den letzten Monaten und Wochen rund hundert Unternehmungen kontaktiert worden.

Doch leider seien alle Bemühungen, die Firma zu retten, vergeblich gewesen. Auch eine Nachlassstundung sei geprüft worden. Die Abklärungen mit Juristen hätten aber gezeigt, dass es für den Schutz der Gläubiger am besten sei, wenn die Firma direkt Konkurs gehe.

Bedauern bei Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Unia äusserte grosses Bedauern und Konsternation über den Konkurs. Zusammen mit dem Kanton, der Stadt und Vertretungen der Industrie sollten an einem runden Tisch Szenarien diskutiert werden, wie das industrielle und technische Wissen sowie die Fachkräfte für die Region erhalten werden könnten, forderte Unia weiter.

Branchenkenner bedauern den Niedergang der Firma ebenfalls, sind jedoch wenig überrascht. Urs Muntwyler, Professor für Photovoltaik an der Berner Fachhochschule, sagt: «Mit dem musste man leider rechnen. Der Preiszerfall auf den Wechselrichtern ist sehr gross.» In diesem Geschäft sei weltweit eine Bereinigung im Gang.

Die Sputnik Engineering AG ist 1991 als erstes Spin-Off-Unternehmen aus der damaligen Ingenieurschule Biel (ISB) heraus entstanden. Es wurde von zwei ISB-Absolventen gegründet, darunter der heutige Firmenchef Christoph von Bergen. Unter der Marke SolarMax entwickelt, produziert und vertreibt Sputnik seit ihrem Bestehen Solar-Wechselrichter. Diese dienen dazu, den gleichgerichteten Solarstrom aus Solarzellen in Wechselstrom umzuwandeln.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Schultheiss, 2503 Biel/Bienne
    Am frühen Donnerstagmorgen sah ich durch die unzählige Fenster die Arbeiter in den mit Licht erhellten Hallen an ihrem Arbeitsplatz. Ein Tag später ist im topmodernen Gebäude von SolarMax alles dunkel und leblos. Nur einen Katzensprung entfernt entsteht im Licht unzähliger Bauscheinwerfer auf dem Dach des Stade de Bienne das grösste in ein Stadion integrierte Solarkraftwerk der Welt mit 7000 Solarmodule - mit den Wechselrichter der Firma SolarMax aus Biel. Was soll man dazu noch sagen...
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  • Kommentar von Stefan Melly, Solothurn
    Der Konkurs der Firma Sputnik ist überaus bedauerlich. Keine Frage! Die Ursache dafür kann jedoch nicht alleine auf externe Faktoren wie z.B. auf den Preiszerfall bei Solarwechselrichtern oder die "Flaute" im europäischen PV-Markt reduziert werden. Die Signale für grundlegende Verschiebungen im Markt sind zumindest für Brancheninsider seit 2008 offensichtlich. Manche Firmen haben es jedoch versäumt, zeitnah die Weichen zu stellen um rechtzeitig in den relevanten Regionen präsent zu sein. Schade!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Für die Betroffenen bedeutet dies einen "schweren Tag". Nur, nachdem scheint's jährlich 80-90'000 neue Einwanderer nötig seien, um unsere florierende Wirtschaft weiterhin betreiben zu können (denke an MEI-Gegenargumente!), werden diese 175 "hochqualifizierten" Mitarbeiter(innen) aus einem hochtechnischen Gebiet, in kürzester Zeit an anderen Orten dringend gebraucht! In der Schweiz ist Mobilität im Beruf ja sehr gut möglich: Unser öV und Strassennetz ist sehr dicht und gut organisiert!
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    1. Antwort von Thomas Wanner, Aarau
      Sie Herr Bolliger, Sie schreiben "unsere florierende Wirtschaft". Besitzen Sie eine Wirtschaft ? Oder was meinen Sie genau ?
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Ihre Frage, Herr Wanner, sehe ich als "Humoreske"! Sie wissen ganz genau, was ich sagen wollte, es müssen eben jährlich 80-90'000 Nettoeinwanderer kommen, um die immer mehr geschaffenen Arbeitsplätze der Wirtschaft zu besetzen! Die "Wirtschaft" sei dringendst weiterhin auf die jährliche Einwanderung von 80-90'000 Ausländer(innen) angewiesen. Somit finden die 175 Angestellten der Bieler Firma problemlos einen neuen Job im (scheinbar völlig) ausgetrockneten Arbeitsmarkt der florierenden Schweiz!
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