Selbstbewusstsein dank Selbstverteidigung für Behinderte

Wer im Rollstuhl sitzt, ist das «ideale» Opfer. Das muss nicht sein. Im Sonderschulheim Aarhus in Gümligen lernen junge Behinderte in einem Selbstverteidigungskurs, wie sie einen Angreifer in die Flucht schlagen können.

Rinor drückt seine Arme gegen jene der Kursleiterin Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rinor weiss sich zu wehren gegen die Kursleiterin Karin Grunder SRF

Eine Ohrfeige abwehren oder jemanden mit einem Faustschlag verjagen. Das lernen die acht Jugendlichen im Selbstverteidigungskurs. Einmal pro Woche trainieren sie, seit knapp einem Jahr. Die Abwehrschläge zu kennen ist das eine, sagt Kursleiterin Karin Grunder. Wichtig sei auch, dass die behinderten Jugendlichen ihre Opferrolle überwinden und merken. «Ich habe Kraft, ich kann mich wehren.»

Die acht jungen Behinderten schätzen den Kurs. Sie sind alle körperlich behindert, zwei sind im Rollstuhl. Der Kurs gebe ihr Selbstvertrauen und Mut, sagt Patricia. Und die 17-jährige Suada ist überzeugt, sie würde sich im Ernstfall auch wehren - mit Kneifen. Auch das Kneifen gehört ins Repertoire des Selbstverteidigungskurses.

Diese Art, sich körperlich zu wehren, sei bei Behinderten, die viele Betreuer haben und auf viel Hilfe angewiesen sind, nicht sehr ausgeprägt, sagt Christa Marti, Direktorin der Stiftung Aarhus gegenüber dem Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF.

Die Stiftung Aarhus wurde für dieses Engagement Stiftung «Prix Printemps» ausgezeichnet. Viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen - und auch Erwachsene - würden unter mangelndem Selbstwertgefühl leiden, begründet die Jury ihren Entscheid. Gleichzeitig sollen sie mit den Selbstverteidigungstechniken ihre Grenzen kennenlernen und sich allenfalls zur Wehr setzen können. Das Aarhus wird mit 10'000 Franken unterstützt.