So befragt die Kesb Betroffene «Herr M., wie sieht es mit Ihrer psychologischen Betreuung aus?»

Hans Müller* hat eine turbulente Zeit hinter sich. Seit 4 Jahren wird er von der Kesb begleitet. Ein Auszug aus einer Anhörung.

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Bildlegende: Symbolbild Jonathan Schöps / photocase.de

Hans Müller* (Name geändert) hat eine schwierige Lebensphase hinter sich: Nach einer Burnout-Erkrankung machten ihm Alkoholprobleme zu schaffen. Seit 2011 hatte er deshalb immer wieder mit den Behörden zu tun. Zuerst mit der früheren Vormundschaftsbehörde und dem Regierungsstatthalter, ab 2013 dann regelmässig mit der Kesb.

Er hat sich dazu bereit erklärt, dass die Anhörung unter dem Beisein der Journalistin stattfinden darf. Dies, um der Öffentlichkeit einen Eindruck der Befragungs- und Arbeitsweise der Kesb zu geben. Ein gekürzter Auszug aus der Befragung durch Thomas Büchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Kesb Thun wie auch der kantonalen Geschäftsleitung:

Thomas Büchler: Herr Müller, wie sieht es mit Ihrer psychologischen Betreuung aus?

Hans Müller: Ich habe jetzt mein Problem im Griff. Ich habe den Alkohol vor allem zur Medikation gebraucht.

«  Mir haben sich in den letzten zwei Jahren viele Türen geöffnet.  »

Hans Müller*

Ich hatte nach meinem Burnout einen extremen Alkoholexzess. Mir haben sich in den letzten zwei Jahren viele Türen geöffnet. Zur Psychologin gehe ich immer noch, damit ich meine Angst- und Panikattacken im Griff habe. Zum Hausarzt habe ich ein tolles Verhältnis. Ich ziehe das weiter so durch.

Finden die Termine bei den psychiatrischen Diensten immer noch in denselben zeitlichen Abständen statt oder konnte man diese reduzieren?

Nein. Meine Erfahrung ist: Wenn ich alle zwei, drei Wochen zur Psychologin gehe, sieht sie sofort wenn Wolken oder Berge da sind – das hilft mir sehr. Zum Hausarzt gehe ich auch regelmässig, schon nur der Einstellung der Medikamente wegen.

Hat sich die Wohnsituation für Sie bewährt?

Ich habe zuerst in einem Therapiehaus gewohnt, dort waren die Strukturen sehr eng. Das hat mir anfänglich sehr geholfen. Nun wohne ich aber in einem offenen Haus. Für mich stimmt das im Moment.

Ihnen war es immer wichtig, in der Arbeitswelt wieder Fuss zu fassen. Wie sieht es diesbezüglich aus?

Ich habe im ersten Arbeitsmarkt eine niederprozentige Stelle in Aussicht. Ich habe festgestellt, dass es für mich einfacher ist, in mehreren, niederprozentigen Jobs zu arbeiten.

«  Das wird schon irgendwie gehen. »

Hans Müller*

Ein 80 Prozent-Pensum an einer einzigen Arbeitsstelle durchziehen, das werde ich wohl nicht mehr können. Das Burnout im Jahr 2011 hat mich dermassen zu Boden geworfen, da kommst du nicht mehr rauf, das kannst du vergessen. Ich möchte mich aber vom Sozialdienst lösen. Das wird schon irgendwie gehen.

Konkret: Kann man davon ausgehen, dass Sie über eine Tagesstruktur verfügen? Ich habe sie mal am Bahnhof gesehen, wie sie das Magazin Surprise verkauft haben.

Mit dem Magazin Surprise bin ich jeden Tag unterwegs. Zudem habe ich noch einen kleineren Job bei einem Fussballclub. Im Wohnheim habe ich auch noch Ämtlis. Ich bin eigentlich rund um die Uhr mit etwas beschäftigt. Die Tagesstruktur ist mir wichtig.

Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Ich gratuliere Ihnen dazu. Wir sehen keinen Grund mehr, behördliche Massnahmen anzuordnen. Wir werden diese aufheben. Ich gehe davon aus, dass Sie damit einverstanden sind.

Ja. Ich habe die verordneten Massnahmen schon lange nicht mehr als Druckmittel angeschaut. Wenn du machst, was du sollst, dann hast du mit der Kesb eh nichts zu tun. Für mich ist das abgehakt.

Hans Müller* (Name geändert) fühlte sich durch die Kesb zum Teil unter Druck gesetzt. Es sei ihm immer etwas zu schnell gegangen. Die Vorwürfe und die Antworten der Kesb dazu.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)