Kunst oder Kitsch? Souvenirkeramik schied schon vor 120 Jahren die Geister

Die Region Thun war in der Belle Epoque eine Hochburg für Keramik. Bei den Touristen gefragt, bei andern verpönt.

Wie wär's mit einem Krug mit Pferdefüssen?

Oder einem Fischgefäss?

Oder einer Vogelkopf-Teekanne?

In Steffisburg und Heimberg gab es von etwa 1880 bis zum Beginn des ersten Weltkriegs gegen 90 Töpfereien. Sie kreierten Souvenirkeramik...

... und verkauften sie in eigens dafür gebauten Läden.

«Diese Objekte verkauften sich sehr gut», sagt Lilian Raselli, Museumsleiterin im Schloss Thun. Sie hat eine Ausstellung mit Souvenirkeramik aus der Belle Epoque zusammengestellt.

Bei den Touristen waren die fantasievollen Kreationen also beliebt – bei Einheimischen gab es hingegen auch böse Reaktionen, erzählt Lilian Raselli. «Kunstverständige fanden es schrecklich.»

Besonders begehrt waren diese Veduttenteller, erzählt die Museumsleiterin im Schloss Thun:

Die Sujets in der Mitte konnten frei gewählt werden und wurden dann gleich vor Ort gemalt.

Solche Teller würden sich wohl auch heute noch verkaufen, vermutet Lilian Raselli. Es gebe durchaus Parallelen zwischen den Touristensouvenirs von damals und denen von heute: «Wir verkaufen nicht nur, was wir selber auch haben möchten.» Man richte sich nach dem, was gefragt sei.

Das Edelweiss

Es ist fast auf jedem Objekt in der Thuner Ausstellung. «Das war der Anfang der Edelweiss-Manie», sagt Lilian Raselli.

Und es fehlt auch heute nicht im Souvenirshop neben der Ausstellung im Schloss Thun.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)