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«Spray-Grosi» Louise Schneider «Ich bin eigentlich eine Höhlenbewohnerin»

Die 86-Jährige sorgte mit ihrer Spray-Aktion vor der Nationalbank für Aufsehen. Den Mittelpunkt sucht sie aber nicht.

Legende: Audio Louise Schneider übers Sprayen, Waffen und Wunder abspielen. Laufzeit 13:57 Minuten.
13:57 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 27.12.2017.

Gibt man in der Schweizerischen Mediendatenbank ihren Namen ein, so erscheinen allein im Jahr 2017 über 70 Artikel. Praktisch alle handeln vom gleichen Thema: Von jenem Tag im April, an dem Louise Schneider die weisse Bauwand vor der Schweizerischen Nationalbank beim Berner Bundesplatz versprayt hat.

Betagte Frau versprayt weisse Wand mit Lettern «Geld für Waffen tötet»
Legende: Louise Schneider am 11. April 2017. Keystone

«Geld für Waffen tötet» hat sie in roten Buchstaben auf die glänzend weisse Wand geschrieben. Nach ihrer Aktion wurde 86-jährige Bernerin von der Polizei abgeführt, bald darauf durfte sie aber wieder nach Hause. Und mit ihr zahlreiche Journalistinnen und Journalisten.

Ein gelungener Mediencoup?

Gleichzeitig mit Louise Schneiders Aktion lancierte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GsoA) ihre Kriegsgeschäfte-Initiative. Die Initiative will der Nationalbank und Pensionskassen verbieten, Kriegsmaterialproduzenten finanziell zu unterstützen. Ein Anliegen, das Louise Schneider klar unterstützt.

Ich habe zu Paul gesagt: Diese Wand bleibt nicht weiss.
Autor: Louise SchneiderFriedensaktivistin

Aber die 86-Jährige habe sich von der GsoA nicht einfach vor den Karren spannen lassen, die Idee für diese Aktion sei schon lange in ihrem Kopf gewesen: «Ich habe diese keusche weisse Wand gesehen. Und meinem Mann gesagt: Diese Wand bleibt nicht weiss.» Zu diesem Zeitpunkt habe ihr Mann aber gerade den ersten Herzinfarkt erlitten, sie wollte ihm den Rummel ersparen. Im April dann kam die Gelegenheit. «Mein Paul hat das leider nicht mehr erlebt.» Er ist am 1. Januar 2017 gestorben.

Populär, aber nicht gern im Zentrum

Louise Schneider ist bekannt. Vor ein paar Tagen sei sie am Bahnhof Lausanne von einem jungen Mann angesprochen worden. «Gäuit, dir sit die?», fragte er sie. Er sei ihr vorgekommen wie ein Weihnachtsengel, denn er konnte ihr gerade ein Taxi bestellen.

Trotz Popularität und medienwirksamen Aktionen – Louise Schneider sagt von sich: «Im Grunde genommen bin ich eine Höhlenbewohnerin. Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt.» Nie sei es bei ihren Aktionen um sie selbst gegangen, sondern immer um die Sache. «Thema 1a sind die Waffen, 1b die Umwelt. Denn das hängt zusammen.»

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Bravo! Wünsche ihr und der GSoA viel Erfolg.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Liebe Frau Louise Schneider, gut, dass es Sie gibt. Denn Alterswachsinn und Mut sind ein kostbares Gut ... und wer, wenn nicht the Elders?.... Un grand Merci.
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  • Kommentar von Franco Caroselli (FrancoCaroselli)
    Wo Frau Louise recht hat, hat sie recht. Sie ist wahrlich eine Höhlenbewohnerin geblieben, und sie ist nicht allein. Während die Welt, oder die meiste Politik oder Polizei aus Fehlern gelernt, umgeschult, ausgebildet oder Konsequenzen gezogen hat, ist sie und viele andere in den 1968er stehen geblieben oder wird stehen bleiben. Schade. Gut haben sich viele Menschen aus der Höhle getraut und etwas versucht zu ändern, auch wenn vieles nicht gelang. Gebe ich zu. Doch immer besser, als im Fell.
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