Steuerhölle Kanton Bern? Nicht für Jungunternehmer

Wenn man die Steuern zwischen den Kantonen Zürich und Bern vergleicht, gewinnt eigentlich immer Zürich. Für Jungunternehmen, so genannte «Start-ups» gilt das allerdings nicht. Weil Zürich kürzlich die Besteuerungspraxis geändert hat, stehe Bern nun besser da, sagen Experten.

Zürich ist ein Paradies für Jungunternehmer. Faktoren dafür sind die Nähe zu Bildungsinstitutionen wie der ETH oder die hohe Anzahl an Fachkräften.

Aufnahme von Frauenhänden, die eine Steuererklärung ausfüllen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Investoren sind im Kanton Bern bei den Steuern besser gestellt, wenn sie Jungunternehmern Geld geben. Keystone

In einem Punkt hat der Kanton Bern die Nase aber vorn, nämlich bei der Besteuerung. Seit der Kanton Zürich die Besteuerungsart im Frühling 2016 geändert hat, steht der Kanton Bern besser da.

«Die neue Besteuerung im Kanton Zürich hat Nachteile für die Investoren. In Bern ist die Besteuerungspraxis eine andere, es wird die Substanz eines Unternehmens betrachtet und nicht, wie viel eine Aktie des Unternehmens kostet. Das erweist sich jetzt als Vorteil», sagt Beat Brechbühl, Wirtschaftsanwalt bei der Kanzlei Kellerhals Carrard.

Umzüge nach Bern?

Brechbühl hält es für möglich, dass sich das eine oder andere Unternehmen nun für Bern entscheidet. «Es gibt bereits Drohungen von Jungunternehmen in Zürich, sich aus Zürich abzusetzen. Ziel kann das benachbarte Ausland sein, aber auch eine andere Region in der Schweiz» – also zum Beispiel der Kanton Bern. Beispiele dafür kennt er aber noch keine.

Brechbühl, der auch Vizepräsident beim Berner Standortförderer be-advanced ist, erhofft sich durch den Steuerwettbewerb einen generellen Effekt: «Der herrschende Steuerwettbewerb könnte zur Folge haben, dass Start-Ups in der ganzen Schweiz dereinst weniger Steuern zahlen.»