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Tamilen im Emmental Wenn der Name eine Geschichte erzählt

Vor 30 Jahren sind Menschen aus Sri Lanka als Flüchtlinge ins Emmental gekommen. Und sie sind geblieben.

Legende: Audio Abieshek Thadchanamoorthy und Ramanathas Sathiyanathan – zwei Generationen, zwei Geschichten. abspielen. Laufzeit 05:44 Minuten.
05:44 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 25.07.2018.

17 Jahre alt war Ramanathas Sathiyanathan, als er in die Schweiz kam. Er war einer von vielen Tamilen, die Ende der 1980er-Jahre vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflüchtet sind. Seine neue Heimat war das Emmental, genauer, der «Bären» in Sumiswald. «Die Sumiswalder wussten nicht, wer wir sind. Wir waren weder schwarz, noch weiss. Sondern etwas dazwischen», erzählt er heute. «Sie hatten Angst vor uns. Aber wir hatten mehr Angst vor ihnen.» Er kannte das Emmental damals auch nicht.

Wir haben alles verloren: Unsere Kultur, unsere Leute, unser Werte.
Autor: Ramanathas Sathiyanathan

Ein Jahr lang wurde er zusammen mit rund 50 anderen Jugendlichen im «Bären» in Sumiswald einquartiert. Heute ist er immer noch hier – hat eine Familie und ein Haus in Rüegsauschachen. «Heute ist vieles einfacher; heute sind wir akzeptiert.»

Bald gibt es bereits die dritte Generation

Wenn man den 28-jährigen Abieshek Thadchanamoorthy bittet, seinen Namen zu buchstabieren, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: «Es sind 16 Buchstaben.» Und dann legt er los: T, h, a, d und so weiter. Er hat Übung. «Ja, die Emmentalerinnen und Emmentaler waren es sich anfangs nicht gewöhnt, dass wir so lange Namen haben.» Er gehörte zu den ersten tamilischen Kindern, die in der Schweiz geboren wurden.

Heute können die Menschen in Langnau meinen Namen ohne Probleme aussprechen.
Autor: Abieshek Thadchanamoorthy

Nach und nach kamen mehr auf die Welt. Es brauche eben Zeit. Aber auch er ist der Meinung, dass die Akzeptanz heute sehr hoch ist.

Der anfängliche Widerstand in Sumiswald

1988 stand die Sumiswalder Dorfbeiz leer. Der Kanton packte die Chance und schickte rund 50 Flüchtlinge nach Sumiswald. Kümmern werde sich die Heilsarmee. Aber die Bevölkerung über die Pläne einweihen musste der damalige Gemeindepräsident Fritz Balz. Die Freude war nicht gross, im Gegenteil: «Es gab mal ein Banner mit einem Schriftzug.» Aber der Widerstand habe sich dann relativ schnell gelegt. Denn die Leute sind hier geblieben und haben gearbeitet, wie alle anderen auch. «Und heute gehören sie ganz normal zu unserer Gemeinde.»

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr; kocm;liec

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Tamilen sind mE neben den Flüchtlingen der 50er und 60er Jahre, von allen anderen Flüchtlingen mit Abstand die angenehmsten und anpassungsfähigsten. Intelligent, interessiert, motiviert, arbeitsam, ruhig und freundlich, lernen die Sprache in Rekordzeit, und keiner von ihnen hätte sich je erlaubt, Einflussnahme auf unsere Gesellschaft zu fordern. Da könnten sich gewisse andere Ausländergruppen ein Beispiel nehmen! Wenn sie nicht so dunkelhäutig wären, würde man gar nicht merken, woher sie kommen!
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