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Taubenzählung in Bern Hält Futter und Sterilisation die Taubenplage im Zaum?

Bern betreut Taubenschläge, füttert die Vögel, kastriert Täuberiche und limitiert so die Anzahl. Forscher kritisieren.

Drei Tauben auf einer Mauer
Legende: Bern will auf Tauben nicht verzichten. Aber die Stadt will auch keine Taubenplage mehr. Keystone

Eine Schulklasse aus dem luzernischen Malters macht sich beim Bärengraben in Bern bereit, in der Altstadt Tauben zu zählen. Dreimal in einer Stunde halten sie Ausschau nach den Tieren. Es erlaubt den Fachleuten von «Tauben Bern», den Bestand der Tiere abzuschätzen.

Weitere Freiwillige machen sich in anderen Quartieren auf den Weg. «Damit können wir abschätzen, ob die Tauben-Population bei etwa 1500 Tieren bleibt», resümiert Christoph Zurbuchen vom Tierpark Dählhölzli die jährliche Zählung.

Mann und Frau stehen im Freien vor einer Schulklasse
Legende: Christoph Zurbuchen (rechts) vom Tierpark Bern instruiert eine Schulklasse über die Taubenzählung. Christian Strübin/SRF

Mit solchen Zählungen seit 2011 reagierte die Stadt Bern auf eine wahre Taubenplage in den 1990er-Jahren. Sie sind die Kontrolle des Stadtberner Tauben-Konzepts: Fünf betreute Taubenschläge in der Stadt. Diese werden auch mit Futter versorgt, gleich wie Problemplätze in der Stadt.

Der Tierpark argumentiert, mit Qualitätsfutter sei die Ausbreitung der Tiere zu bremsen, zudem sei es eine Alternative zum gesundheitsschädigenden Futter von notorischen Tauben-Fütterer. «Es funktioniert zurzeit gut», bilanziert Christoph Zurbuchen.

In den Taubenschlägen und in Lebend-Fallen werden zudem Tiere eingefangen und tierärztlich kontrolliert. Die Vögel werden beringt, männliche Tauben sterilisiert, also unfruchtbar gemacht.

Kritik vom Basler Taubenforscher

Dies allerdings stösst beim Taubenforscher und Biologie-Professor Daniel Haag-Wackernagel von der Universität Basel auf Kritik. «Operationen am Tier sind sehr heikel, teuer und bringen nichts. Man müsste über 90 Prozent der Täuberiche sterilisieren, um den Bestand zu regulieren», sagt er.

Die Tauben offiziell zu füttern, sei das Gegenteil von dem, was man in Basel mache. «Je mehr Futter da ist, um so mehr Tauben sind da». Und schliesslich: Eine Zählung einmal im Jahr sei sinnlos. Bern müsste alle zwei Wochen oder jeden Monat zählen, wenn die Stadt aussagekräftige Bestandeszahlen haben wolle.

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