Tschiemers Alphörner sind aus hiesigem Holz

Mitten im Berner Oberländer Dorf Habkern entstehen pro Jahr 50 bis 60 neue Alphörner aus dem Fichtenholz der Gegend. Ans Werk gehen Heinz und Marietta Tschiemer aber nicht mehr von Hand, sondern mit computergesteuerten, hochpräzisen Holzbearbeitungsmaschinen.

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Leben für das Alphorn

5:19 min, aus Schweiz aktuell vom 21.3.2014

Je präziser ein Alphorn gebaut ist, umso besser tönt es. Und für diese Genauigkeit sind elektronisch gesteuerte CNC-Fräsen perfekt. Sie übernehmen die früher anstrengende Handarbeit mit Stechbeutel und Schnitzermesser. Das Verfahren entdeckte 1998 Arnold von Allmen aus Niederbipp, der so den Alphornbau revolutionierte. 2012 übernahmen Heinz und Marietta Tschiemer den Betrieb. «Mein Vater führt hier die Sägerei und lieferte schon Noldi unser gutes Fichtenholz. Da sind wir hier in Habkern an der Quelle. Deshalb haben wir uns gesagt: Der Betrieb gehört hier hin», erklärt Heinz Tschiemer, eigentlich gelernter Bergbauer mit kaufmännischer Zusatzausbildung.

Wertschöpfung bleibt im Tal

Die Werkstatt im ehemaligen Dorfladen mitten im Dorf Habkern ist inzwischen zum Treffpunkt für viele Hobby- und Profi-Musiker und Touristen geworden. Die Alphorn-Manufaktur bringt Leute und Verdienst ins Dorf und gibt der inzwischen vierköpfigen Familie Tschiemer auch ein Auskommen. Aber die Firmengründung war schon ein Abenteuer, bestätigt Marietta Tschiemer.

Zuerst wählt der Förster die besten Rottannen aus und Vater Tschiemer sägt sie in die richtige Grösse. Am liebsten Bäume, die langsam gewachsen sind, so ist das Holz zäh und die Jahrringe ganz fein. «Das sind die gesuchten Filetstücke. Ohne Ast und ohne Harz-Einschlüsse», schwärmt Heinz Tschiemer. Dann fräst der mit 18'000 Touren drehende Werkzeugstahl die halbrunden Rohre und Schallbecher auf den Hundertstelmillimeter genau aus dem vollen Holzstück. Diese Alphornhälften werden danach zusammengefügt, verleimt und traditionsgemäss mit Peddigrohr oder Rattan umflochten.

Auch Alphörner entwickeln sich

Tschiemers haben sich für den Holz-Klassiker unter den Alphörnern entschieden und wollen die Instrumente stets verbessern. Sie wissen wohl, dass eine Entwicklung stattfindet. Deshalb haben Heinz und Marietta Tschiemer auch ein Alpen-Saxophon im Sortiment. Kürzer, mit viel mehr Bögen, tönt wie ein Alphorn und ist nur mit den Computer-Fräsen zu produzieren.

Dass junge Musikerinnen wie Eliane Burki oder Lisa Stoll dem urtümlichen Naturton-Instrument charmant und unbefangen jazzige, jugendliche Töne entlocken, findet der traditionsbewusste Alphornbauer aus Habkern übrigens toll. «Das macht unserem Nationalinstrument die Welt auf.» Heinz Tschiemer kennt auch die Kunststoff-Instrumente aus Hightech-Karbonfaser. «Sie sind sehr leicht und gut zu spielen – aber es fehlt ihnen etwas die Klangtiefe des Fichtenholzes. Die Rottanne hat sich auch bei anderen Instrumenten bewährt, weil ihr Holz eine wunderbare Resonanz entwickelt.»

Von den 50 bis 60 Alphörnern, die Tschiemers pro Jahr unter dem Namen Bernatone herstellen, geht etwa ein Drittel in den Export. Und es sei gar nicht so schwierig, ein 3 Meter 40 langes Alphorn zu verschicken. «Ich habe gemerkt, dass es bei der Post in Unterseen gut funktioniert,» lacht Heinz Tschiemer. Einfach in einer soliden Holzkiste, damit dem rund 3500 Franken teuren Stück nichts passiert.