Autobahn A9 im Oberwallis Umweltverbände wollen Beschwerde gegen Kanton Wallis einreichen

Mit der Bewilligung der Autobahn A9 wurden Kompensationsmassnahmen beschlossen, um die negativen Auswirkungen auf die Natur zu lindern. Viele davon hat der Kanton bis heute nicht umgesetzt. Deshalb wollen der WWF und Pro Natura Wallis eine Beschwerde einreichen. Der Kanton rechtfertigt sich derweil.

Laura Schmid steht vor Deponie. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laura Schmid vom WWF Oberwallis steht neben der A9 in Susten : «Hier sollte ein Flachmoor anstelle der Deponie sein.» SILVIA GRABER / SRF

Ende November wurde die Teilstrecke der Autobahn A9 zwischen Gampel und Susten eröffnet. Jetzt prangern die Umweltverbände WWF und Pro Natura Wallis die Nicht-Umsetzung der beschlossenen Umweltmassnahmen an. Laura Schmid, Geschäftsführerin des WWF Oberwallis, sagt: «Das Natur- und Heimatschutzgesetz verpflichtet den Kanton Wallis dazu, Ersatzmassnahmen zu ergreifen für zerstörte Landschaften wie Wald oder Biotope. Dies hat der Kanton Wallis bisher versäumt.»

«  Der Kanton Wallis hat sehr viele Ersatzmassnahmen bei der A9 bis heute nicht umgesetzt. »

Laura Schmid
Geschäftsführerin WWF Oberwallis

Ende November 2016 wurde das A9-Teilstück zwischen Susten und Gampel mit einer grossen Feier eröffnet. Laut WWF und Pro Natura Wallis wurden die 10 Hektaren Land, die als Ersatzmassnahme in der Baubewilligung stehen, bis heute nicht renaturiert. WWF-Geschäftsführerin Laura Schmid sagt: «Es sollte ein Flachmoor entstehen, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Doch stattdessen blickt man auf eine Materialdeponie der Gemeinde Leuk.»

Staatsrat Jacques Melly wehrt sich gegen Vorwürfe

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich der zuständige Staatsrat Jacques Melly: «Diese Fläche von 10 Hektaren wurde für den Autobahnbau bis zur Eröffnung des Teilstücks Susten-Gampel als Deponie gebraucht. Erst jetzt können wir dort mit den Umweltersatzmassnahmen beginnen.»

«  Erst jetzt kann man mit den Umwelt-Ersatzmassnahmen beim Teilstück der A9 zwischen Susten und Gampel beginnen. »

Jacques Melly
Staatsrat

Die Versäumnisse des Kantons reichen laut WWF und Pro Natura bis ins Jahr 1991 zurück. Damals wurde das Teilstück der A9 zwischen Sitten und St. Leonard eröffnet. Bis heute seien die 26'000 Quadratmeter Waldfläche nicht renaturiert worden.

Auch diese Vorwürfe lässt Staatsrat Jacques Melly nicht gelten. Der Hauptgrund für die Verzögerungen bei der sogenannten «grünen Autobahn» sieht er in der Überschwemmung der Rhone im Jahr 2000 und in der 3. Rhonekorrektion. Jetzt gibt es Ideen für ein neues Projekt für die notwendigen Umwelt-Ersatzmassnahmen. Dies brauche allerdings Zeit, sagt Staatsrat Jacques Melly.

Die beiden Umweltverbände WWF und Pro Natura Wallis wollen jetzt Beschwerde beim Bund gegen den Kanton Wallis einreichen. Die Beschwerde stützt sich auf das Nationalstrassengesetz und verlangt, dass der Bundesrat anstelle des Kantons die Ersatzmassnahmen beim Autobahnbau vornehmen soll.