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Bern Freiburg Wallis Uni Bern entschlüsselt das Meccano der Fan-Gewalt im Sport

Das Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern hat untersucht, weshalb es bei Sportveranstaltungen zu Gewaltausbrüchen kommt. Damit gibt die Wissenschaft auch Hinweise, was Gewalt vermeiden kann. Im Zentrum stehen Provokationen - und wie man brenzlige Situationen rechtzeitig erkennt.

Warum prügeln sich Fans und Polizei regelmässig im Verlaufe von Sportveranstaltungen? Die Frage interessiert Clubs und Polizei, Sicherheitsdienste und Gemeinden. Und sie beschäftigt die grosse Mehrheit des Sportpublikums, das mit Gewalt nichts zu tun haben will.

Die wissenschaftliche Analyse der Uni Bern

Die Politik hat eine erste Antwort gegeben, mit dem Hooligan-Register und den Rechnungen, die die Gemeinden den Clubs für die hohen Sicherheitskosten stellen. Diese wiederum sind mit ihrer Fan-Arbeit in der Pflicht, Gewalt zu vermeiden.

Jetzt hat das Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern auch einen wissenschaftlichen Zugang zum Phänomen Fan-Gewalt. Eine Studie hat acht Fussballspiele zweier Clubs aus der Super League analysiert. Bei vier von acht Spielen kam es zu Ausschreitungen.

Der Grund, dass Gewalt ausbricht, kann darin liegen, dass die eine Fan-Gruppe nicht toleriert, was die andere Fan-Gruppe macht, weil sie dies als «nicht legitim» taxiert oder weil man räumlich zu nahe aufeinander ist. «Es ist tatsächlich eine Gratwanderung und auch ein Machtanspruch der verschiedenen Interessengruppen, der sich da manifestiert», bilanziert Studienleiter Alain Brechbühl.

Auch Sicherheitsdienste können Fans reizen

Es zeigt, dass vorab die Ultrafans sehr klare Vorstellungen haben, welche territorialen Ansprüche sie im Stadion stellen und welche Rituale und welche Fan-Kultur ultimativ gelten.

Provokativ wirken gemäss der Studie der Uni Bern auch Polizei und Sicherheitspersonal. Kampfmonturen oder die Verhaftung eines Fans, der versucht, Pyros ins Stadion zu schmuggeln, führen fast immer zu Auseinandersetzungen, erkannten die Forscher.

Fanarbeit und Polizei nicht überrascht

«Die Studie überrascht mich nicht», sagt Markus Jungo, Leiter der polizeilichen Koordinationsplattform Sport in Freiburg. «Wir handeln schon so, wie die Forscher vorschlagen, nämlich Dialog, Deeskalation – und wenn nötig Durchgreifen». Dass die Polizei immer in der Mitte steht, ist Markus Jungo auch klar.

«Am Dialog führt nichts vorbei, auch wenn es manchmal schwierig ist», betont Christian Wandeler, der Geschäftsleiter der Fanarbeit Schweiz. «Am besten geht das, wenn wir die Leute kennen, die ihre Fans positiv beeinflussen können». Zum Beispiel so, dass ein Polizei-Aufgebot nicht als Provokation und Bedrohung empfunden wird.

Auch Thomas Gander, der Verantwortliche für Prävention bei Swiss Football League, hat die Studie der Berner mit Interesse gelesen: «Es ist das erste Mal, dass wir nun solches Grundlagenmaterial haben». Allerdings betont er, die Schweiz stünde im internationalen Vergleich gut da, wie man mit Fan-Gewalt im Sport umgeht. Und man arbeite kontinuierlich weiter an Massnahmen, die das Problem entschärfen. «Allerdings», so Thomas Gander, «muss man sich auch keine Illusionen machen».

Gewalt vermeiden

Die Studie der Berner Forscher deckt sich mit internationalen Erkenntnissen: Wenn kritische Situationen rechtzeitig erkannt würden, wenn Dialog-Teams vermitteln und wenn die Polizei zurückhaltend aufträte, sei es möglich, die Lage zu entspannen und Gewalt zu vermeiden.

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