Häusliche Gewalt Viele Opfer gehen erst spät zur Polizei

Die Kantonspolizei Bern ist letztes Jahr 945 Mal wegen häuslicher Gewalt eingeschaltet worden. Das sind fast gleich viele Einsätze wie im Vorjahr. Dies zeigt die Jahresstatistik 2016 der Berner Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.

Mann im Vordergrund, Frau hinten am weinen. Bild in Lightbox öffnen.

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  • Tätlichkeiten, Drohungen, Beschimpfungen, einfache Körperverletzungen und Nötigungen: Das sind die häufigsten Straftatbestände im häuslichen Bereich.
  • In der Mehrheit der Fälle sind es die Opfer selbst oder Familienangehörige, die sich bei der Polizei melden. Allerdings oftmals erst nach mehreren Vorfällen.
  • In 88 Prozent einseitiger Gewalt war das Opfer weiblich.

Der Hilferuf kommt spät

Die Opfer, oder auch die Täter, melden sich erst, wenn sie total verzweifelt seien und nicht mehr weiter wüssten, sagt Judith Hanhart, Leiterin der Berner Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt. «Zudem ist es eine weit verbreitete Haltung in der Gesellschaft, dass familiäre Probleme auch innerhalb der Familie gelöst werden müssen.»

Häufig erleben Kinder Gewalt mit

Bei den Interventionen wegen häuslicher Gewalt treffen die Polizistinnen und Polizisten häufig auch Kinder an. So lebten knapp 700 Kinder in den Familien, bei denen die Polizei im letzten Jahr intervenieren musste.

Bei ihren Interventionen verfolgt die Polizei drei Ziele: Gefahren und Schaden abwehren und strafrechtliche Verfolgung ermitteln, aber auch die weiterführende Betreuung der Betroffenen aufgleisen.