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So klang es damals – Die Geschichte in Tönen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 19.12.2019.
abspielen. Laufzeit 10:39 Minuten.
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Vom Bau bis heute Die Geschichte des AKW Mühleberg in Bildern

Das Kernkraftwerk Mühleberg liegt an der Aare etwa 14 Kilometer westlich der Stadt Bern. 1967 wurde mit Bauarbeiten begonnen.

Die Baustelle des Atomkraftwerks Mühleberg im Kanton Bern 1968.
Legende: Die Baustelle des Atomkraftwerks Mühleberg, aufgenommen Anfang September 1968. Keystone

Kurz vor der Inbetriebnahme des Kraftwerkes wurde der Reaktor getestet. Eigentlich sollte das AKW ab 1971 Strom produzieren, doch im Maschinenhaus brach ein Grossbrand aus.

Begutachten der Schaeden nach dem Turbinenbrand im Maschinenhaus des Atomkraftwerks Muehleberg.
Legende: Nach dem Turbinenbrand im Maschinenhaus werden die Schäden begutachtet. Aufgenommen Ende Juli 1971. Keystone

Das Feuer konnte gelöscht werden, bevor es das Reaktorgebäude erreichte. Doch die Schäden verzögerten den offiziellen Start des Kraftwerks um ein Jahr.

Der offizielle Start

Am 6. November 1972 wurde Mühleberg offiziell in Betrieb genommen. Kurz darauf folgten die Kraftwerke in Gösgen und Leibstadt. Strahlenmessgeräte massen die Dosis nach einem Arbeitseinsatz im Atomkraftwerk Mühleberg im Kanton Bern. Seit Anfang der 1970er Jahre produzierte das Kraftwerk insgesamt über 120 Milliarden Kilowattstunden Strom, was den heutigen Konsum einer Stadt wie Bern für mehr als hundert Jahre decken würde.

Strahlenmessgeraete messen die Dosis nach einem Arbeitseinsatz im Atomkraftwerk Muehleberg im Kanton Bern, aufgenommen am 13. August 1984.
Legende: Jeder Arbeiter hat seinen Dosimeter. Strahlenmessgeräte messen die Dosis nach einem Arbeitseinsatz. Aufgenommen Mitte August 1984. Keystone

Doch bereits im Verlauf der 1960er-Jahre formierte sich Widerstand gegen die Atomenergie. 1979 stimmte das Schweizer Volk ein erstes Mal über eine Atom-Initiative ab. Sie wurde knapp verworfen – mit 51.2 Prozent.

Der Widerstand bleibt laut

Die Gegnerinnen und Gegner gaben nicht auf. 1984 gab es eine zweite Atom-Initiative (gegen den Bau von weiteren AKW). Sie wurde ebenfalls verworfen. Im April 1986 folgte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Sie löste auch in der Schweiz Proteste aus.

Zu Beginn der 90er-Jahre wurden bei einer Jahresrevision Risse im Kernmantel festgestellt. Eine Bedrohung bestehe allerdings nicht, der Kernmantel halte dem Druck Stand, hiess es.

Der Kampf um die Bewilligung

Eine Umfrage im Kanton Bern ergab, dass über 51 Prozent gegen eine unbefristete Betriebsbewilligung und Leistungserhöhung waren. Die unbefristete Betriebsbewilligung wurde nicht erteilt, aber um weitere zehn Jahre verlängert. Eine Initiative im Kanton Bern für die Stilllegung des AKWs wurde 2000 mit rund 64 Prozent abgelehnt.

Blick in den Schaltraum des KKW Muehleberg, aufgenommen im Dezember 1998.
Legende: Blick in den Schaltraum des KKW Muehleberg, aufgenommen im Dezember 1998. Keystone

2005 stellte die Betreiberin BKW beim Bund einen Antrag auf eine unbefristete Bewilligung. Nach langem Hin und Her genehmigte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK die unbefristete Betriebsbewilligung für das Kernkraftwerk Mühleberg im Jahr 2009.

Blick in den geoeffneten Reaktordruckbehaelter des Kernkraftwerks Muehleberg, aufgenommen waehrend den Revisionsarbeiten.
Legende: Blick in den geöffneten Reaktordruckbehälter. Aufgenommen während den Revisionsarbeiten Ende August 2019. Keystone

Internationale Ereignisse durchkreuzten mehrmals die Pläne der Kernkraft-Befürworterinnen und -Befürworter.

Fukushima schockiert

Nach den Ereignissen in Tschernobyl 1986 passierte 2011 die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima. Und hatte wiederum Demonstrationen in der Schweiz – auch gegen Mühleberg – zur Folge.

Rund 3'000 Menschen demonstrieren unter dem Motto "Mal richtig Abschalten" fuer die sofortige Stilllegung des AKWs Muehleberg.
Legende: Rund 3000 Menschen demonstrieren für die sofortige Stilllegung des AKW am Pfingstmontag, 13. Juni 2011. Keystone

2011 beschliesst der Bundesrat, dass Schluss ist mit Atomkraft in der Schweiz. Nach dem nuklearen Unfall von Fukushima soll es keine neuen AKWs mehr geben, und die alten müssen irgendwann in den nächsten Jahrzehnten vom Netz.

Der Anfang vom Ende

2013 verkündete die BKW, dass sie das Kernkraftwerk Mühleberg im Jahr 2019 endgültig vom Netz nehmen werde. Die jährliche Produktion entspricht rund 5 Prozent des gesamten Schweizer Strombedarfs. Basis für diese Entscheidung waren allerdings nicht Proteste. Mehrmals hat sich das Volk für Kernkraft ausgesprochen. Aber: Der Betrieb lohne sich nicht mehr, so die BKW.

Am 20. Dezember um Punkt 12.30 Uhr wird dem KKW der Stecker gezogen.

Ein Pult mit Messanzeigen, Instrumenten und Reglern des Reaktors im Kontrollraum, am 27. November 2019 in Muehleberg.
Legende: Ein Pult mit Messanzeigen, Instrumenten und Regleren des Reaktors im Kontrollraum. Aufgenommen Ende November 2019. Keystone

Mühleberg ist das erste Schweizer AKW, das seinen Betrieb einstellt. Für den Energiekonzern sei die Stilllegung das grösste Projekt seit dem Bau des Werks vor rund 50 Jahren.

SRF-Sondersendung zum Shutdown

Kernstück der Berichterstattung ist die Sondersendung: «Schweiz aktuell extra» begleitet den Shutdown live. Am Freitag, 20.12.2020, um 12.00 Uhr auf SRF 1 und im Stream online auf srf.ch.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Die Nutzung der Atomenergie ist einer der grössten Fehler in der Menschheitsgeschichte. Das Abfallproblem ist bis heute nicht gelöst. Abfall der über tausende von Jahren schweren Schaden verursachen kann. Höchste Zeit damit aufzuhören! Nebst dem Zerstörungspotenzial ist es auch der teuerste Strom, den es gibt, rechnet man die gesamte Entsorgung und das Schadenrisiko ein. Am Schluss zahlen wir Steuerzahler die Entsorgung, weil das Geld aus dem Fond niemals reichen wird!
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  • Kommentar von ARTHUR KÜNZLER  (Thurio)
    Volle Kraft voraus zum Bau von Solaranlagen auf geeigneten Dächern! Speicher mit H2, Wasserstoff, wahrscheinlich die Zukunft, bereits auf großen Schiffen im Einsatz. Die Schweiz kann 1000 X mehr Solarstrom produzieren als heute. Aber es muss nun vorwärts gehen.
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  • Kommentar von Milan Halmo  (Mhalmo)
    Die Schweiz wird es einmal bereuen.
    Nicht eliminieren aber verkleinern und sicherer machen mit der neue Technologie wäre eine richtige Lösung auch für die Zukunft.
    Schaue in der Welt was die anderen machen! Es werden viele neue gebaut! Die Russische Technologie ist führend, warum? Weil der Westen zu grün ist !
    Main stream und hype war niemals die richtige Lösung!
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    1. Antwort von adrian christen  (adrian christen)
      Träumen sie weiter der neuen Technologie, und lösen sie zuerst einmal das Abfallproblem.
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