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Vom Wetter überrascht Bergdrama im Unterwallis fordert sechstes Todesopfer

  • 14 Skitourenfahrer sind am Sonntag im Gebiet des «Pigne d'Arolla» oberhalb von Arolla (Gemeinde Evolène VS) in einen Sturm geraten und mussten die Nacht im Freien verbringen.
  • Dabei starben nahe der SAC-Hütte «Cabane des Vignettes» drei der Berggänger nach der Rettung in Spitälern. Ein 59-jähriger Bergführer war zuvor bei einem Sturz ums Leben gekommen.
  • Zwei der schwerverletzt ins Spital eingelieferten Personen sind später ebenfalls verstorben. Fünf Opfer stammen aus Italien, eines aus Bulgarien.
  • Vier Personen befinden sich weiterhin in kritischem Zustand.
Kartenausschnitt der Region um den Pigne d'Arolla.
Legende: Die Alpinisten waren unterwegs von der Cabane des Dix (oben links) über den Col de la Serpentine zur Cabane des Vignettes (unten rechts). Nach der Passage unter dem Pigne d'Arolla blieben sie nahe der SAC-Hütte auf 3270 m.ü.M. stecken. Swisstopo , Link öffnet in einem neuen Fenster

Der Hüttenwart der «Cabane des Vignettes» meldete am Montagmorgen um 07:30 Uhr, dass im Gebiet des Pigne d'Arolla mehrere Alpinisten draussen unweit der Hütte übernachtet hätten. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um zwei Gruppen, eine mit 4 Personen und eine mit 10 Personen, darunter ein Bergführer.

Opfer stammen aus Italien

Fünf tote Skitourengänger kommen aus Italien. Das teilte das Aussenministerium in Rom mit. Am Dienstag starb im Spital zudem eine 52-jährige Frau aus Bulgarien.

Die beiden Gruppen hatten am Sonntag die SAC-Hütte «Cabane des Dix» auf 2928 Metern über Meer verlassen, um zur SAC-Hütte «Cabane des Vignettes» auf 3157 Metern zu gelangen. Sie passierten auf der klassischen Route den «Col de la Serpentine» und gingen weiter unterhalb des Pigne d'Arolla, wo sie nahe der «Cabane des Vignettes» von einem Sturm überrascht wurden.

Legende: Video Skitourenfahrer sterben nahe der «Cabane des Vignettes» bei Arolla im Unterwallis abspielen. Laufzeit 1:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.04.2018.

Eisige Sturmnacht 500 Meter neben der SAC-Hütte

Die Skitourenfahrer mussten in der Folge die Nacht im Freien verbringen und konnten die nahe gelegene «Cabane des Vignettes» nicht mehr erreichen. Nach Angabenvon Pascal Gaspoz, Chef der Rettungsorganisation «Maison FXB du sauvetage» der Air-Glaciers, wurden die Berggänger nur etwa 400 bis 500 Meter entfernt von der «Cabane des Vignettes» aufgefunden.

Trotz der Nähe konnten sie von der SAC-Hütte aus wegen des Sturm weder gehört noch gesehen werden. Sie waren auf einer Länge von etwa 30 Metern verteilt und versuchten, sich so gut wie möglich zwischen den Felsen vor dem Sturm zu schützen.

Nach dem Notruf des Hüttenwartes startete eine gross angelegte Rettungsaktion. Gebirgsspezialisten und Ärzte des «Maison FXB du sauvetage» fanden die 14 Personen am Morgen. Mehrere von ihnen waren stark unterkühlt. Eine Person war zuvor nach einem Sturz ums Leben gekommen.

Für die Bergung wurden sieben Helikopter aufgeboten, drei der Air-Glaciers und zwei der Air Zermatt. Weitere zwei Helikoptern der Rega transportierten die unterkühlten Patienten in ausserkantonale Universitätsspitäler.

Nach der Rettung verstorben

Die Skitourengänger wurden in verschiedene Spitäler im Wallis und ausserhalb des Kantons geflogen. Bis am Nachmittag starben dort drei weitere Personen. Ein weiteres Todesopfer kam später dazu. Vier stark unterkühlte Gerettete befinden sich in kritischen Zustand. Die anderen erlitten leichtere Unterkühlungen und befinden sind nicht mehr in Lebensgefahr.

Die Opfer waren am späteren Nachmittag noch nicht identifiziert. Die Behörden haben aber bereits begonnen, Angehörige der Überlebenden zu kontaktieren. Für Angehörige richtete die Kantonspolizei eine Telefon-Helpline ein unter der Nummer 0848 112 117.

Gebiet des Pigne d’Arolla.
Legende: Die Tourengänger mussten die Nacht beim Pigne d'Arolla auf einer Höhe von 3270 Metern im Freien verbringen. Kapo Wallis

Zwei Bergtote in derselben Nacht auch am Mönch

Auch am Mönch sind auf Walliser Kantonsgebiet zwei Personen ums Leben gekommen. Die beiden jungen Bergsteiger, die bereits am Sonntagabend als vermisst gemeldet waren, konnten nur noch leblos geborgen werden. Auch sie sind vermutlich vom Kälteeinbruch überrascht worden.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Johannes Rösinger (JohMuc)
    Das schrecklichste sind die Toten und Verletzten. Mein Beileid und Gute Besserung. Aber danach kommen sofort die Kommentatoren hier. Ebenfalls gute Besserung, und zwar in Anstand und Moral.
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  • Kommentar von Kon Rubic (rubickon)
    Manche der Kommentare sind wirklich unter aller Kritik. Der, der noch nie im Gebirge leichtsinnig unterwegs war oder unbedacht gehandelt hat, der werfe den ersten Stein. Wenn so ein Unglück passiert, dann ist das eine Verkettung unglücklicher Umstände, die z.T. durch die Personen selbst hervorgerufen worden sind. Man sollte solche Unfälle akribisch wie Flugzeugabstürze aufarbeiten und dann die Lehren ziehen.
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    1. Antwort von László Schink (Schink)
      Finde ich nicht. In den Medien ist von einem erfahrenen Bergführer und erfahrenen Alpinisten die Rede. Aber wer erfahren ist bricht am Tag eines angekündigten Wetterumschwungs nicht mehr zu einer Tour auf über 3000m auf. Selbst dann nicht wenn es sich " nur " um 200-300 Höhenmeter handelt die man überwinden will. Schon gar nicht ohne Biwakmaterial und mit nur einem Bergführer, obschon es sogar zwei Gruppen waren, die sich dann zu einer grösseren vereinigt haben, mit nur einem Bergführer.
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  • Kommentar von Remigi Bucher (buremi)
    Es fände es angebracht bei solchen Berichten die Kommentarfunktion wegzulassen!
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