Von der Berner «Schnapsidee» zum Erfolg

Mit «Peppe's Ingwerer» hat es ein Berner Likör vom Wohnzimmer-Digestif zum nationalen Szeneschnaps geschafft. Nun versuchen zwei Berner Studenten diesem Erfolg nachzueifern - mit einem mehrere Jahrtausende alten Rezept.

Bei einer Vorlesung im ersten Jahr des Archäologie Studiums an der Universität Bern sei er hellhörig geworden, erinnert sich Noah Steuri. Der Professor habe von einem Keltenfürsten erzählt, der zusammen mit Bronzekesseln unter einem Grabhügel begraben wurde. «Die Bronzekessel waren gefüllt mit Met. Dieser ist über die Jahrtausende verdunstet. Geblieben ist - wie bei einem Wein - nur noch der Satz.»

«  Wir haben das Jahrtausende alte Rezept für unseren Honigwein übernommen und verfeinert. »

Noah Steuri
Brauer vom Berner «Honigwy»

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«Met» - Ein uraltes Gebräu

Met ist ein Aufguss aus Honig, Wasser, Früchten und Kräuter. Bei einem mehrwöchigen Gärprozess wandelt sich der Zucker vom Honig zu Alkohol um. Nach Bier gilt Met als ältestes alkoholisches Getränk und wurde gemäss jüngsten Indizien schon im sechsten Jahrhundert vor Christus getrunken.

Met kann sowohl kalt als auch heiss getrunken werden.

Den Satz hätte man analysiert und so die genauen Bestandteile des alten «Mets» herausgefunden. «Das Rezept haben wir dann übernommen und noch verfeinert», erläutert Noah Steuri. So entstand die Mixtur für den «Honigwy».

Den süssen Wein auf Honigbasis hätten Steuri und sein Kollege Julian Riedweg bis Anhin nur für den privaten Gebrauch gebraut. In einem Eichenfass muss der Honigwein während drei Monaten ruhen bevor er trinkbereit ist. «Der Zucker aus dem Honig lässt die Früchte gähren und so ensteht der Alkohol» ergänzt Julian Riedweg.

Nun wollen die Studenten das Getränk in die Bars bringen. Die nötigen rechtlichen Schritte seien im Gange und so wolle man nun den «Honigwy» den Leuten schmackhaft machen. «Jeder der den Honigwy probiert findet ihn lecker. Nur ist er vielleicht nicht das erste, was man sich an der Bar bestellt.» Deshalb haben die beiden nun den Mann hinter dem Erfolgslikör «Peppe's Ingwerer» um Schützenhilfe gebeten. Mit seinem Kräuterschnaps stand er vor zwei Jahren vor dem gleichen Problem.

700 Flaschen pro Woche

Nachdem Philip Jenzer bei einer Kollegin einen Ingwerlikör getrunken hatte, hat er sich 2013 selbst an den Kochherd gewagt. Etwa ein Jahr lang hat er am perfekten Rezept herumgetüftelt bis schliesslich «Peppe's Ingwerer» enstanden ist. Heute hat der ehemalige Barkeeper aus Bern elf Angestellte und produziert wöchentlich 700 Flaschen von dem Szeneschnaps. Sein Ingwerlikör wird schweizweit in 30 Städten ausgeschenkt.

«  Ich kann mir den Erfolg auch nicht erklären. »

Peppe Jenzer
Produzent von «Peppe's Ingwerer»

Den Erfolg könne er sich auch nicht erklären, sagt Philip Jenzer. «Mein Geschäftspartner und ich gingen damals einfach von Bar zu Bar und gaben den Leuten den Ingwerer zum Probieren.» Sobald die erste namhafte Bar den Schnaps im Sortiment aufgenommen hatte, sei der scharfe Likör zum Selbstläufer geworden.

«  Das Interesse für lokale Getränke ist gross bei den Bernern. »

Fabio Dettwiler
Co-Betriebsleiter, «Turnhalle» Bern

Bern biete sich für die Lancierung neuer Getränke an, sagt Fabio Dettwiler, Betriebsleiter der Berner «Turnhalle». «Besonders lokale Ideen kommen gut an bei den Bernern. Wenn ein Likör wie der Ingwerer dann noch den Geschmack trifft, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis jede Bar der Stadt den Schnaps anbietet.»

So scheint Bern alle Voraussetzungen zu erfüllen, dass auch aus der «Schnapsidee» der beiden Studenten ein Erfolg werden könnte.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)