Claude Longchamp: «Der Kanton Bern braucht die Cohabitation»

Die Regierung mit einer rot-grünen Mehrheit - das Parlament fest in bürgerlicher Hand: Für den Politologen Claude Longchamp ist das kein Problem. Im Gegenteil: Das sei gut für den Kanton Bern. Diese Konstellation sei ein Abbild der «Schweiz im Kleinen», wie der Kanton Bern auch etwa genannt wird.

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Bildlegende: Der Politologe Claude Longchamp glaubt an stabile Verhältnisse im Kanton Bern. Keystone

Bei den Wahlen vom 30. März stehen die Zeichen auf Stabilität, sowohl in der Regierung als auch im Parlament. «Es braucht unheimlich viel, bis ein Regierungsrat abgewählt wird», sagt Claude Longchamp, Politologe und Leiter des Forschungsinstituts gfs in Bern. Und weil alle sieben Mitglieder der Regierung erneut zur Wahl antreten, sei die Chance gross, dass sich nichts ändert. Bisherige Regierungsräte hätten eine Wiederwahlchance von 93 Prozent.

Claude Longchamp erwartet auch im Kantonsparlament stabile Verhältnisse. Fast neun von zehn amtierenden Mitgliedern des Grossen Rates wollen ihren Sitz verteidigen. Für ihn gehört die Frage, ob die BDP ihren Erfolg von 2010 bestätigen kann, zu den spannendsten des Wahlsonntags. Offen sei das Abschneiden der FDP, die vor vier Jahren einen regelrechten Absturz erlebte. Weiter zulegen könne wahrscheinlich die GLP, sagt Longchamp.

Stabile Verhältnisse

Vieles deutet also daraufhin, dass die heutige Konstellation erhalten bleibt: Rot-grün dominierte Regierung und bürgerliches Parlament. Angesichts der Vielseitigkeit des Kantons Bern, brauche es diese «Cohabitation», sagt Longchamp im Gespräch mit dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF 1.

Aber es brauche eine neue Kultur zwischen den beiden Blöcken. Alle müssten Abstriche machen zugunsten des Kantons Bern, ist Longchamp überzeugt. Er stelle aber einen Hang zur Machtpolitik fest.